TransFair gewinnt Partner für nachhaltige Textilproduktion

Auch erste deutsche Firmen kooperieren
Beim Kaffee und Kakao war es ähnlich: Am Anfang waren viele Unternehmen skeptisch, ob sich der Handel mit fair produzierten Waren lohnt. Nun will "TransFair Deutschland" Unternehmen in der Textilbranche überzeugen.

Der Verein "TransFair Deutschland" hat erste Textilfirmen für eine Zusammenarbeit zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen gewonnen. Einige westliche Unternehmen beteiligten sich am sogenannten Textilstandard für die gesamte Lieferkette, teilte der Verein am Dienstag in Berlin mit. Die Hersteller "3Freunde", "Shirts for Life" und "mela wear" ließen ihre Kleidung in einigen Fabriken in Indien und Bangladesch produzieren, die von TransFair beraten wurden, sagte Vorstandsvorsitzender Dieter Overath.

Nach Angaben eines Vereinssprechers könnten voraussichtlich 2017 die ersten T-Shirts oder Jeans mit TransFair-Siegel auf den Markt kommen. Insgesamt wurden 20 Fabriken in Indien und Bangladesch im Rahmen eines Textilprogramms beraten. Overath sagte, er hoffe auf ähnliche Dynamiken wie in der Kaffee- und Kakaobranche. In den Anfangsphasen seien die Unternehmen gegenüber Fairtrade-Produkten skeptisch gewesen. Doch heute sei es in Discountern wie Lidl und Aldi geradezu selbstverständlich, fair gehandelte Lebensmittel zum Verkauf anzubieten.

"Es geht um einen Bewusstseinswandel", sagte der Gründer der Firma "3Freunde", Stefan Niethammer, über seine Motivation, Partner für den Textilstandard zu werden. Die Firma vertreibe bereits T-Shirts mit Fairtrade-Baumwolle. "Jetzt wollen wir den nächsten Schritt gehen und neben dem Rohstoff auch die Lieferkette nach Fairtrade-Standards zertifizieren lassen," sagte Niethammer. Die Firma sei Teilhaber einer Fabrik in Indien, wo jetzt damit begonnen werden soll, die von Fairtrade festgelegten Textilstandards umzusetzen.

Veränderungen bei Löhnen und Mitsprache

Die Firma "mela wear", die ebenfalls am Textilprogramm teilnehmen wird, hat nach eigenen Aussagen in einer Produktionsstätte in Indien bereits eine Überprüfung der dortigen Situation vorgenommen. Veränderungen sollten etwa bei Löhnen und bei der Mitsprache der Beschäftigten angegangen werden. "Jetzt gilt es entsprechende Strukturen für eine einfachere Beteiligung zu schaffen, Löhne schrittweise zu erhöhen und die Beschäftigungssituation der Leiharbeiter zu verbessern", sagte Geschäftsführer Henning Siedentopp.

Nach den Kriterien des Textilstandards verpflichten sich Unternehmen unter anderem, innerhalb von sechs Jahren die Löhne in Textilfabriken auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben. Die Unternehmen und ihre Lieferanten müssen faire Einkaufspraktiken, Schutzkleidung und Regelungen zu Arbeitszeiten, Überstunden und Arbeitsverträgen garantieren.