Aramäische Christen gedenken der Opfer des Völkermords

Mit der Armenien-Resolution des Bundestages sei nach rund hundert Jahren "das Schweigen im politischen Deutschland gebrochen worden", sagte Josef Kaya von der Stiftung für Aramäische Studien in einem Gedenkgottesdienst am Mittwochabend in Berlin.

Die Hinterbliebenen der im Osmanischen Reich verfolgten syrischen Christen seien dem deutschen Parlament zu großem Dank verpflichtet. Der Bundestag hatte Anfang Juni eine Resolution verabschiedet, in der die Vertreibung und Ermordung der Armenier und anderer christlicher Minderheiten vor 100 Jahren im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet wird. Die Türkei protestierte scharf. Sie lehnt es ab, von einem Genozid zu sprechen. Der 15. Juni wurde im vergangenen Jahr als offizieller Gedenktag der Aramäer zur Erinnerung an die Massenmorde im Osmanischen Reich ernannt.

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, erinnerte in seiner Festrede daran, dass deutsche Diplomaten von den schrecklichen Ereignissen wussten, die Führung in Berlin aber nicht reagiert habe. Die deutsche Mitschuld sei der wichtigste Grund für die Armenien-Resolution gewesen, betonte er. Die Debatte darüber habe zudem offengelegt, wie groß die Wissenslücken über den Völkermord seien.

Der Bundesvorsitzende der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, richtete den Blick auf die aktuellen Ereignisse in Syrien und im Irak. Auch heute würden Christen dort durch Fundamentalisten des sogenannten "Islamischen Staates" (IS) verfolgt und getötet. "Es wird, wie vor 100 Jahren, erneut weggeschaut", kritisierte er.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland richteten sich die Massenmorde im Osmanischen Reich gegen Armenier und alle anderen christlichen Bevölkerungsgruppen, einschließlich der Aramäer. Zwischen 1912 und 1922 seien etwa eine halbe Million Christen unterschiedlicher Konfessionen von den osmanischen Streitkräften umgebracht worden.