Die Zukunft der Kirchenmusik

Moderne Orgel

Foto: epd-bild/Stephan Wallocha

Orgelsanierung in Hamburg in der evangelischen Kirche St. Johannis-Harvestehude: Für 1,3 Mio. Euro wurde im Jahr 2015 in der 1880/82 erbauten Kirche die Epoche der Romantik mit dem Computerzeitalter verschmolzen.

Die Sänger und Sängerinnen werden älter, die Kirchenchöre weniger, Orgamaten und CD-Spieler vertreten Kirchenmusiker im Gottesdienst. Sieht so die Zukunft der Kirchenmusik aus? Oder was muss in der Aus- und Fortbildung passieren, dass junge Kirchenmusiker nachwachsen können? Diese Fragen soll die erste Studie zur Situation der Kirchenmusik innerhalb einer Landeskirche beantworten helfen.

Das Hauptmotiv ihre Arbeit zu verrichten, sei bei der Mehrheit der 1.176 Befragten Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker ihr Glaube, so wie das sinnvolle und gemeinschaftliche Tun. Das hat der "Report Kirche und Musik – Eine empirische Analyse der Situation von kirchenmusikalisch Tätigen in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers" ergeben.

Mit der Studie lägen erstmals "belastbare Daten und empirische Fakten zur Situation der Kirchenmusik in einer evangelischen Landeskirche vor", sagen die Herausgeber, der Verband Evangelischer Kirchenmusiker innerhalb der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Innerhalb ihrer Umfrage sei die ausgeprägte Heterogenität der musikalischen Stile ebenso in den Blick genommen worden, wie die unterschiedlichen Arbeitsstrukturen, die von hauptamtlichen Vollzeitstellen über nebenberufliche Tätigkeiten bis zum ehrenamtlichen Engagement reichen.

Die Struktur innerhalb des Berufsstandes sieht demnach wie folgt aus:

  • 9 Prozent der Kirchenmusiker haben hauptamtliche Anstellungen als A- oder B-KirchenmusikerInnen (KantorInnen o.ä.).
  • 49 Prozent arbeiten nebenamtlich in einer oder mehreren Funktionen (beispielsweise Chorleitung und Organistendienst)
  • 29 Prozent arbeiten ehrenamtlich, davon haben 13 Prozent einen kirchenmusikalischen Abschluss (zumeist Prüfung als Posaunenchorleiter)

Ergebnis der Studie ist zudem, dass 72 Prozent der Kirchenmusiker in Städten und Dörfern mit weniger als 20.000 Einwohnern leben und arbeiten. Für diese Kirchenmusiker seien die soziodemorgafischen und infrastrukturellen Veränderungen im ländlichen Raum eine zentrale Herausforderung. Positiv falle die intensive Rolle der Kirchenmusiker innerhalb der lokalen Kulturlandschaften und der breitenkulturellen Arbeit auf. Ziel sollte es der Studie zufolge sein, diese neben- und ehrenamtlichen Engagements der Musiker weiter zu intensivieren. Die Befragung hat ergeben, dass

  • 74 Prozent aller KirchenmusikerInnen in der Laienmusikarbeit aktiv sind, vor allem in der Leitung von Chören und Posaunenchören.
  • 42 Prozent der kirchenmusikalisch Tätigen mit Zielgruppen im Kinder- und/oder Jugendalter zusammenarbeite, weitere 7 Prozent mit Zielgruppen ab dem jungen Erwachsenenalter.
  • 44 Prozent aller Befragten mit Bildungs- und/oder Betreuungseinrichtungen (Altenheim, Schulen, Kindertagesstätten) kooperieren.

Die Kirchenmusiker stellten einen wichtigen Faktor der öffentlichen Wahrnehmung von Kirche dar und entfalteten bindende Wirkung in Kirche und Gemeinde hinein. Dennoch drohe der Kirchenmusik ein gravierender Nachwuchsmangel, und es zeichne sich ein signifikanter Wandel hinsichtlich der Erwartungen und Ansprüche an diejenigen ab, die im Haupt- und Nebenamt kirchenmusikalischen Dienst tun.

Von neben- und ehrenamtlichen Organisten gebe es Kritik an Erwartungen bei Kasualien aber auch bei anderen Gelegenheiten, populäre Musik zu spielen. Obwohl 70 Prozent bei der Leitung von Jugendchören, Bands und Gitarrengruppen in ihrer Arbeit auf andere Quellen als das Evangelische Gesangbuch zurückgriffen. Am interessiertesten an klassischen Musikstilen sind der Umfrage zufolge hauptamtlich tätige Kirchenmusiker. Durchschnittlich 78 Prozent der Kirchengemeinden mit Kirchenmusikern veranstalten zudem regelmäßig Konzerte außerhalb der Gottesdienste.

Durch die Studie soll die Diskussion von Zukunftsfragen der Kirchenmusik in kirchen- oder gemeindeleitenden Organen, Verbänden und Politik auf eine breite und fundierte Basis gestellt werden.

Ziel der Studie sei es nicht nur gewesen die sozio-kulturelle Bedeutung der Kirchenmusik im ländlichen Raum und in verschiedenen gesellschaftlichen Milieus zu erforschen. Von großem Interesse seien Impulse für den Bereich der Aus- und Fortbildung, für die Stellenplanung und die Nachwuchsgewinnung.

Das zuständige Referat hat die Studie an diesem Mittwoch im Rahmen eines Fachtags vorgestellt. Die Ergebnisse sollen nun in den landeskirchlichen Gremien und Ausschüssen sowie in kirchenmusikalischen Ausbildungsstätten vorgestellt und diskutiert werden.

Die Studie entstand unter der wissenschaftlichen Leitung des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim  unter Mithilfe des Kirchenmusikerverbandes.