EKD-Chef fordert von Muslimen deutliches Zeichen gegen Terror

EKD-Chef fordert von Muslimen deutliches Zeichen gegen Terror
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, fordert mit Blick auf die Anschläge in Brüssel eine breite muslimische Bewegung gegen religiös motivierte Gewalt.

"Ich wünsche mir eine weltweite Verurteilung solcher terroristischer Aktivitäten", sagte Bedford-Strohm am Sonntag im Interview der Woche im Deutschlandfunk. Hier seien die Religionsgemeinschaften in der Verantwortung, "insbesondere die, auf deren Traditionen sich solche Leute berufen".

Es gehe nicht darum, dass eine Religion der anderen Belehrungen erteilt, sagte Bedford-Strohm. Wichtig sei vielmehr der aufgeklärte Umgang mit den eigenen religiösen Traditionen. Dazu gehöre auch die kritische Auseinandersetzung aller Religionen mit ihren heiligen Schriften. Auch Christen hätten dazu Anlass, "denn auch im Namen des Christentums wurden insbesondere im Mittelalter und dann in den Jahrhunderten danach, auch in den blutigen Konfessionskämpfen, schlimme Taten begangen."

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Im Moment "geht die Gewalt auf der Welt unter Berufung auf die Religion hauptsächlich vom Islam aus", erklärte Bedford-Strohm. Deswegen sei "es auch für den Islam und für die muslimischen Gelehrten, für die muslimischen Geistlichen wichtig, dass sie sich selbstkritisch mit ihrer heiligen Schrift, dem Koran, auseinandersetzen", sagte der bayerische Landesbischof.

Zum Thema Flüchtlingspolitik sagte Bedford-Strohm, hier müssten die Kirchen Stellung beziehen. "In den großen Orientierungsfragen, in denen politische Entscheidungen über Leben oder Tod entscheiden können, da muss die Kirche sich einmischen, wenn sie ihrem eigenen Zeugnis treu bleiben will. Es wäre völlig undenkbar, dass man beim Thema Flüchtlinge schweigt als Kirche", sagte der oberste Repräsentant von rund 22,5 Millionen Protestanten in Deutschland. Man wolle aber "explizit keine Parteipolitik" machen. Zugleich rechtfertigte er die Unterstützung für die Bundeskanzlerin durch Kirchenvertreter beim Thema Umgang mit Flüchtlingen.

Kirchenamt mit AfD-Mitgliedschaft nicht auszuschließen

Dass eine AfD-Mitgliedschaft mit einem hohen Amt in der evangelischen Kirche vereinbar sei, wollte Bedford-Strohm nicht ausschließen. Er halte nichts davon, dass man Ausschlusserklärungen für bestimmte Parteien abgibt. Hier sei die Sache entscheidend. "Wo menschenfeindliche Einstellungen vertreten werden oder in diesem Fall ausländerfeindliche Tendenzen vertreten werden, da muss man ein klares 'Nein' entgegenhalten." Aber er halte nichts davon, die AfD und ihre Wählerinnen und Wähler generell "zu verdammen." 

Zum Reformationsjubiläum 2017 sagte der 55-jährige Theologe, die evangelische Kirche wolle weder eine "Heldenverehrung, wir wollen nicht protestantische Selbstbeweihräucherung, Identitätspflege auf Kosten anderer". Bedford-Strohm: "Sondern wir wollen, dass die eine Kirche Jesu Christi neue Kraft bekommt. Und deswegen wird es zum ersten Mal in der Geschichte ein Reformationsjubiläum werden, was richtig ökumenischen Geist atmet."