Geißler wirft künftigem EKD-Beauftragten Claussen "Schmähkritik" vor

Heiner Geißler

Foto: dpa/Uwe Anspach

Heiner Geißler

Heiner Geißler fühlt sich vom Hamburger Hauptpastor und designiertem Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, ungerecht behandelt.

Die Rezension seines Buches "Was müsste Luther heute dazu sagen?" durch Claussen sei eine durch nichts belegte "ressentimentgeladene Schmähkritik", lässt der 85 Jahre alte CDU-Politiker und Buchautor den Rezensenten in einem Schreiben wissen, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Diesen Eindruck teilten auch zahlreiche Besucher von Lesungen, denen der Katholik und frühere Bundespolitiker sein Lutherbuch vorstellt.

In der in der "Süddeutschen Zeitung" im vergangenen Oktober veröffentlichten Besprechung neuer Bücher über Martin Luther (1483-1546) und die Reformation urteilt Claussen, das Lutherbuch von Geißler gebe inhaltlich wenig her. "Es wirkt wie ein zum Buch geronnener Talkshow-Monolog: eilig angelesenes Instantwissen vermischt mit wohlvertrauter Meinungskundgabe", heißt es in der Rezension. Geißlers Buch stehe stellvertretend für all die "marktgerechten Vereinnahmungsversuche der Reformation", die bis 2017 noch zu befürchten seien. In zwei Jahren feiert die evangelische Kirche den 500. Jahrestag der Veröffentlichung von Luthers Thesen gegen den Ablass, die als Ausgangspunkt der Reformationsbewegung gilt.

Dem Theologen, der am 1. Februar als neuer Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) antritt, wirft Geißler vor, er bestimme in "apodiktischer Weise", was gute und schlechte Luther-Bücher seien, "vor allem welche Bedeutung Luther für die heutige Zeit habe: nämlich gar keine". Zwar teile er dessen Ansicht über die Qualität der Lutherbücher des Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann und des Historikers Heinz Schilling. Diese würden allerdings keine Kassenschlager, da "zu dick" und "zu teuer".

Angesichts der negativen Bewertung von Talkshows und den Buchmarktgesetzen erscheine es ihm fraglich, schreibt Geißler, ob es sinnvoll sei, mit Claussen über moderne religiöse Kommunikation zu sprechen. Einer der wichtigsten Gründe, dass die Kirche Mitglieder verliert, liege darin, dass die Prediger "offensichtlich nicht mehr gewillt und in der Lage sind, die hinreißende Botschaft dieses Jesus von Nazareth mit der richtigen Sprache und überzeugenden Bildern in den modernen Medien unter die Leute zu bringen", schreibt der ehemalige CDU-Generalsekretär.

Geißler ist auch Autor des Buches "Was würde Jesus heute sagen? Die politische Botschaft des Evangeliums", das 2003 erschien. Dem designierten EKD-Kulturbeauftragten, dem er auch Versäumnisse in einem "Spiegel"-Streitgespräch mit dem britischen Astrophysiker Ben Moore über den Sinn des Glaubens vorhält, wünscht der 85-Jährige für seine zukünftige Aufgabe gleichwohl eine "sichere Hand".