Leipzig protestiert mit Lichterkette gegen Fremdenfeindlichkeit

Rechte randalieren beim "Legida"-Jahrestag im linken Stadtteil Connewitz
Leipzig zeigt Courage mit Lichterkette

Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Leipzig zeigt Courage mit Lichterkette

An einer weiteren, lautstarken Gegendemonstration gegen "Legida" am nördlichen Innenstadtring nahmen laut der studentischen Statistikinitiative "Durchgezählt" 2.300 bis 2.800 Menschen teil. Sie stand unter dem Motto "Bass statt Hetze" beziehungsweise "NoLegida".

Ein breites Bündnis aus Politik, Gesellschaft und Kirche hat am Montag in Leipzig für Weltoffenheit demonstriert. An einer 3,5 Kilometer langen Lichterkette rund um die Innenstadt nahmen auch Vertreter der sächsischen Landeskirche und der Landespolitik teil. Anlass war der erste Jahrestag der fremdenfeindlichen "Legida"-Bewegung. Dazu waren auch Dresdner "Pegida"-Anhänger nach Leipzig gereist. Am Abend kam es zu offenbar rechtsgerichteten Ausschreitungen im Stadtteil Connewitz. Die Polizei sprach von rund 250 Personen, die "festgesetzt" worden seien.

Über den Kurznachrichtendienst "Twitter" teilte die sächsische Polizei mit, die Lage in dem als traditionell links geltenden Stadtteil sei am Abend angespannt gewesen. Lokale Medien berichteten von eingeschlagenen Schaufensterscheiben und dem Einsatz von Feuerwerkskörpern. Zuvor war am frühen Abend weiteren Medienberichten zufolge auch ein Brandanschlag auf die Bahnstrecke Dresden-Leipzig verübt worden.

Begonnen hatten die Proteste gegen die fremdenfeindliche "Legida"-Bewegung mit einem Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche. Das Friedensgebet und der Aufzug auf dem Innenstadtring haben wegen der Ereignisse während der friedlichen Revolution 1989 eine hohe symbolische Bedeutung. Zu dem Protest unter dem Motto "Leipzig bleibt helle" hatten unter anderen Oberbürgermeister Burkhard Jung und Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig (beide SPD) aufgerufen. Auch in Leipzig ansässige Unternehmen schlossen sich an.

Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing musste seine Teilnahme kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen. Im Friedensgebet wurde vor etwa 850 Teilnehmern an die Gründung der Ökumenischen Flüchtlingshilfe in Leipzig vor genau einem Jahr erinnert. Superintendent Martin Henker sagte, es sei ein "großartiges und bewegendes Zeichen", dass sich in Leipzig noch immer unzählige Menschen ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren wollten. Es seien mehr als jene auf der Straße, die Angst vor dem Fremden schürten, zeigte sich Henker überzeugt.

Der Leipziger Ableger der Dresdner "Pegida"-Bewegung hatte bei der ersten Kundgebung vor einem Jahr laut "Durchgezählt" zufolge 2.000 bis 3.000 Teilnehmer versammeln können, eine Woche später sogar bis zu 5.000. Allerdings waren die Zahlen danach rasch wieder gesunken, auf zuletzt nur rund 300 Anhänger. An diesem Montag kamen nach Beobachtungen von Augenzeugen rund 2.500 Menschen.

Zum ersten Jahrestag von "Legida" gehörten am Montagabend auch "Pegida"-Chef Lutz Bachmann und die ehemalige Dresdner "Pegida"-Oberbürgermeisterkandidatin Tatjana Festerling zu den Rednern in Leipzig. Aus dem Publikum erschallten immer wieder Rufe wie "Merkel muss weg", "Lügenpresse", "Volksverräter", "Widerstand, Widerstand" und "Putin, Putin".

Bachmann selbst hatte zuletzt wieder mit rassistischen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht. Auf Facebook veröffentlichte er ein Bild mit T-Shirts, auf denen die Aufschrift "Rapefugees not welcome" zu sehen war. "Rape" ist das englische Wort für Vergewaltigung. Der sächsische Grünen-Landeschef Jürgen Kasek erstattete Anzeige wegen Volksverhetzung.