US-Theologe: Kirchen sollen soziale Gerechtigkeit vorleben

Die Kirchen sollen nach Auffassung des US-Theologen Tobias Schlingensiepen verstärkt vorleben, was sie unter Gerechtigkeit verstehen.

 "Die Kirchen dürfen nicht nur Anwälte für die zunehmende Zahl wirtschaftlich wie sozial ausgegrenzter Menschen werden, sondern gleichzeitig in ihren eigenen Strukturen vorleben, wie gerade diese Menschen einbezogen werden können," sagte Schlingensiepen im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er ist Pfarrer in der United Church of Christ (UCC) in Topeka im US-Staat Kansas, einer Partnerkirche der badischen evangelischen Landeskirche. Die United Church of Christ bildet eine Kirchengemeinschaft mit der Union Evangelischer Kirchen in Deutschland (UEK).

Der zunehmende wirtschaftliche Druck auf sozialstaatliche Strukturen müsse dazu führen, die Verheißung des Evangeliums vom kommenden Reich Gottes auf die wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten zu beziehen, sagte Schlingensiepen, der als Vertreter seiner Kirche regelmäßig bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover ist. Er denkt, dass die Kirchen in Deutschland und in den USA langfristig einen schweren Stand haben werden. Als Grund dafür sieht er die zunehmende Säkularisierung in beiden Ländern. Von Volkskirche könne nur noch sehr bedingt die Rede sein, sagte der Theologe. Dies sollte man jedoch nicht beklagen, sondern als Chance sehen.

Im Unterschied zu Deutschland sei das Christentum in den USA sehr viel zersplitterter und habe deshalb nicht dasselbe gesellschaftliche Gewicht, sagte Schlingensiepen. Zudem hätten die Kirchen in Deutschland eine anerkannte gesellschaftliche Funktion, zum Beispiel als Träger karitativer Einrichtungen.