Zentralrat der Juden in Deutschland: Kommentierte "Mein Kampf"-Ausgabe sinnvoll

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hält die Veröffentlichung der kritisch kommentierten Gesamtausgabe von Hitlers "Mein Kampf" durch das Institut für Zeitgeschichte für sinnvoll.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass diese kritisch kommentierte Auflage einer Aufklärung dient, und dass sie einen gewissen Mythos, der um dieses Buch herrscht, aufzuklären vermag", sagte er am Freitag dem Radiosender NDR Info. Außerdem könne sie deutlich machen, was das Buch für ein Machwerk sei und zeigen mit welchen völlig falschen und skurrilen Theorien und Thesen Hitler gearbeitet habe.

Schuster ergänzte, er halte es für möglich, dass das Buch geeignet sei in rechtsextremistischen Kreisen weiterhin dafür zu sorgen, solche Thesen zu verbreiten. Es sei daher wichtig sich mit Hitlers Propaganda auseinanderzusetzen, gerade vor dem Hintergrund von Rechtspopulismus und Erscheinungen wie Pegida. "Einige Dinge, die wir auch heute wieder hören, finden wir auch in diesem Buch."



Dass sich Schüler mit Auszügen der kommentierten Ausgabe befassen, so wie von Bundesbildungsministerin Wanka angeregt, sei eine gute Idee, so Schuster weiter. Er kritisierte allerdings, dass "Judentum" und "jüdisches Leben in Deutschland" als Themen im Unterricht und auch generell auf die Zeit von 1933 bis 1945 reduziert würden. "Jüdisches Leben gab es in Deutschland viele Jahrhunderte davor und Gott sei Dank auch wieder danach."