Berliner Sammelunterkünfte für Flüchtlinge erneut in der Kritik

In Berlin ist die Kritik an der Flüchtlingsunterbringung neu entflammt. Bürgerinitiativen sprachen am Montag von "katastrophalen Zuständen" in Hallen mit mehreren Hundert Menschen.

Die vom Senat geplante Großunterkunft im ehemaligen Flughafen Tempelhof mit bis zu 15.000 Menschen wurde als "unverantwortlich" kritisiert. In Hangars auf dem Tempelhof-Gelände leben den Angaben zufolge derzeit 2.500 Flüchtlinge. Der Flüchtlingsrat Berlin sowie weitere Flüchtlinsinitiativen bemängelten eine fehlende Privatsphäre sowie fehlende individuelle Koch- und Waschmöglichkeiten. Wasser, Abwasser und Sanitäranlagen befänden sich "auf Dritte Welt-Niveau", sagte Irmgard Wurdack, Sprecherin des Bündnis Neukölln.

Duschen gebe es für die Menschen in der Notunterkunft am Tempelhofer Feld keine. Flüchtlinge würden mit Bussen zum Waschen in nahe gelegene Schwimmbäder gebracht. Wurdack zufolge gibt es in den Hangars zudem keine Waschmaschinen, keine individuellen Steckdosen oder Kochmöglichkeiten. Für die bislang 2.500 Menschen stünden 170 Dixi-Klos zur Verfügung.



Nach Plänen des Berliner Senats sollen auf dem Flughafengelände in den nächsten Monaten bis zu 15.000 Flüchtlinge untergebracht werden. Dies sei "unverantwortlich", sagte der Sprecher des Berliner Flüchtlingsrats, Georg Classen. Kerstin Meyer von der Initiative "100% Tempelhofer Feld" sprach von einem geplanten "Großlager" für Flüchtlinge. Wurdack vom "Bündnis Neukölln" warnte vor einer "Ghettoisierung".

Das für die Flüchtlingsregistrierung zuständige Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hatte in den vergangenen Monaten wegen unhaltbarer Zustände bundesweit Schlagzeilen gemacht. Kritisiert wurde unter anderem, dass Flüchtlinge teilweise im Freien übernachten mussten, es zu Massenrangeleien zwischen Mitarbeitern und Asylsuchenden kam und die Erstregistrierung mitunter erst nach mehreren Wochen Wartezeit möglich ist.