Berliner Stadtmission hätte Flüchtlingsunterkunft fast aufgegeben

Das Chaos im Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hat Betreiber von Flüchtlingsunterkünften an den Rand ihrer Handlungsfähigkeit gebracht. Erst nach Monaten war das Amt in der Lage, notwendige Kostenerstattungen zu überweisen.

"Wir haben uns ernsthaft gefragt, ob wir unsere Arbeit unter solchen Bedingungen noch verantworten können", sagte der Direktor der Berliner Stadtmission, Joachim Lenz, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wie auch andere Sozialverbände habe die Stadtmission monatelang auf Abschlagszahlungen warten müssen.

Dringend notwendige Einrichtungen wie Toiletten oder eine Essensausgabe hätten sich um Wochen verzögert, berichtete Lenz. "Wir haben ja viele Menschen neu eingestellt und müssen die bezahlen." Auch die Kostenerstattung für Lebensmittel, Babynahrung und Wachschutz für November sei erst nach Weihnachten erfolgt. "Ich kann schlicht nicht verstehen, wieso die Zusammenarbeit da nicht funktioniert", beklagte der Chef der evangelischen Hilfsorganisation.

Die Berliner Stadtmission betreibt mehrere Notunterkünfte für Flüchtlinge. Dazu zählt eine Traglufthalle mit knapp 300 Betten, in der inzwischen mehr als 20.000 Menschen ihre ersten Tage und Nächte in Berlin verbracht haben. Der Bezirk Mitte hat dieses Projekt mit seinem Integrationspreis ausgezeichnet. Eine Notunterkunft in Spandau für 1.000 Menschen soll ausgebaut werden.

Nach einer Massenschlägerei vor einigen Wochen hat die Stadtmission einen Ältestenrat installiert. "Probleme werden mit den Volksgruppen besprochen und geregelt", betonte Lenz. So könnten Schwierigkeiten früh wahrgenommen und beigelegt werden. Außerdem habe die Stadtmission einen Brandbrief an den zuständigen Sozialsenator, Mario Czaja (CDU), und Berlins Regierenden Bürgermeister, Michael Müller (SPD), geschickt und den Ausbau der Unterkunft gefordert.

Der Theologe wies auf die Ursachen für Aggressionen in Unterkünften hin: "Wenn tausend Menschen monatelang in einer einzigen Halle zusammen leben müssen, ohne dass es eine Privatsphäre oder auch nur einen Kleiderschrank oder eine ausreichende Anzahl von Toiletten gibt, bauen sich über die Wochen Frust und Wut auf." Das führe bei einigen zum Gefühl der Benachteiligung. "Schließlich reichte irgendein Anlass zum Streit", sagte der 54-Jährige, der seit einem Jahr im Amt ist . "Gott sei Dank ist niemand ernsthaft verletzt worden."