Studie: 2016 lieber mehr Zeit als Selbstverwirklichung

Die Deutschen wünschen sich für 2016 vor allem mehr Zeit. Nach einer repräsentativen Umfrage der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen wünschen sich die Menschen vor allem mehr Zeit für sich selbst (62 Prozent), für Freunde (60 Prozent) und für die Familie (58 Prozent).

Selbstverwirklichung ist offenbar nicht mehr so stark gefragt. So wollen nur 30 Prozent einen langgehegten Traum verwirklichen und 29 Prozent etwas Neues beginnen, wie die Stiftung am Donnerstag in Hamburg mitteilte. Nur 13 Prozent wollen 2016 ein Ehrenamt ausüben. 

Zeit werde zum kostbarsten Gut, sagte Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung, die vom internationalern Tabakkonzern British American Tobacco finanziert wird. Dies sei offenbar Folge einer immer schnelllebigeren Welt, die wenig Beständigkeit und Zeit zum Durchatmen biete. Durch zunehmende berufliche Anforderungen, wachsende Möglichkeiten in der Freizeit und fortwährende Alltagsaufgaben hätten viele zunehmend das Gefühl, dass die Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu kurz kommt.

Doch es gibt auch deutliche Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. So legen Ostdeutsche mehr Wert auf Familienzeit als Westdeutsche. Männer hätten gern mehr Zeit für Freunde, Frauen bevorzugen dagegen mehr Zeit für sich selbst. Unter den verschiedenen Berufsgruppen wünschen sich Selbstständige und Freiberufler am häufigsten mehr Zeit für die Familie und für sich selbst. Kinderlose Paare hätten 2016 gern mehr Zeit für sich selbst, Eltern wollen das Familienleben intensiver erleben und Singles öfter Freunde treffen.

Die Mehrheit der Bevölkerung plant laut Umfrage, 2016 finanzielle Rücklagen zu bilden. Nur etwa jeder Dritte möchte sich 2016 einen langgehegten Traum erfüllen. Vor allem die Jüngeren unter 35 Jahren (61 Prozent) setzen auf Rücklagen, bei den Älteren ab 55 sind es nur 41 Prozent. Die Diskussionen über geringe Renten und Altersarmut hätten Spuren hinterlassen, sagte Reinhardt. So werde die Erfüllung eines Traum weiter verschoben. Für die Umfrage befragte die Stiftung über 2.000 Personen ab 14 Jahren in persönlichen Interviews.