Minister und Schriftsteller wollen besseren Dialog über "Pegida"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und der Schriftsteller Ingo Schulze haben die Dresdner zu einem neuen und besseren Dialog über die fremdenfeindliche "Pegida"-Bewegung aufgerufen.

Beide äußerten sich in einem Doppelinterview in der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Der Innenminister lebt seit vielen Jahren in Dresden, der Autor stammt aus Dresden.

"Wir brauchen mehr Gespräche, nicht digital, sondern von Angesicht zu Angesicht", sagte Schulze mit Blick auf den festgefahrenen Konflikt zwischen "Pegida"-Anhängern und Kritikern der fremdenfeindlichen Bewegung. De Maizière forderte vor allem "bessere" Gespräche. Diskutiert werden müsse, wie die Zukunft Europas aussehen solle und welche Rolle Nation, Religion und Menschenwürde in der Gesellschaft spielen. "Wir diskutieren zu reaktiv und sollten mehr proaktiv diskutieren", so der Innenminister.

Beide prominentem Dresdner versuchten zudem eine Erklärung zu finden, warum die fremdenfeindliche "Pegida"-Bewegung in Sachsens Landeshauptstadt verwurzelt ist. Schulze zufolge steht "Pegida" in einer gewissen Tradition. "Dresden reagierte oft anders, extrem", sagte der Autor. Er verwies unter anderem auf Auseinandersetzungen in der Vergangenheit wie etwa um den Wiederaufbau der Frauenkirche, den Streit um die Waldschlößchenbrücke und die erbitterten Konflikte um den 13. Februar, den Jahrestag der Zerstörung der Stadt.

Zwar sei Dresden vor allem kulturell bedeutender als anderer deutsche Städte dieser Größe. "Aber viele Dresdner nehmen ihre Stadt insgesamt als bedeutsamer wahr, als sie es objektiv ist", betonte de Maizière. Daraus entstehe ein gewisser Frust. "Der Streit, wie schlimm die Stadt im Krieg zerstört worden ist, der Streit um die Klangfarbe der Orgel und darüber, ob ein statistischer Fehler von George Bähr beim Wiederaufbau der Frauenkirche originaltreu wiederholt werden müsse - all das hätte es in keiner anderen Stadt so gegeben."

Allerdings sei auch das Zusammenwachsen von Ost und West in Dresden weniger erfolgreich gelungen als andernorts, sagte de Maizière weiter, der 1998 von Schwerin in Sachsens Landeshauptstadt zog. Der sogenannte "Revolutionsadel" sei in Dresden am liebsten unter sich geblieben, "und vielen aus dem Westen, die ja rasch einen Großteil der Führungspositionen im Osten bekleideten, fehlte es an Interesse, Ostdeutsche überhaupt kennenzulernen", sagte der Minister.

Bedauern äußere de Maizière über die Auswirkungen der fremdenfeindlichen "Pegida"-Bewegung auf Dresdens Image. "Für viele im Westen hatte der deutsche Kommunismus einen sächsischen Dialekt - und jetzt hat für diese Menschen der Rechtspopulismus einen sächsischen Dialekt. Das schmerzt mich", sagte der Bundesinnenminister.