Kirchenpräsident Heimbucher wirbt für christlich-islamischen Dialog

Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher, hat für einen intensiven christlich-islamischen Dialog geworben.

Angesichts der schrecklichen Nachrichten aus Europa, dem Nahen Osten und aus Afrika sei der Kontakt zu den muslimischen Nachbarn und den muslimischen Nachbargemeinden unverzichtbar, sagte der Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz im niedersächsischen Leer gehören bundesweit rund 180.000 Mitglieder.

Es sei eine Aufgabe für alle christlichen Gemeinden und Theologen, sich gegenüber den Muslimen kundig und sprachfähig über den Islam zu machen, sagte Heimbucher. "Da brauchen wir eine Art religiöse Alphabetisierung." Gleichzeitig müssten Christen wieder lernen, über den eigenen Glauben zu reden. Viele Muslime könnten im Gespräch mit oft sehr klaren Aussagen und mit weniger Verschämtheit über ihren Glauben Auskunft geben. "Da haben wir etwas zu üben."

Problematisch sei, dass beide Religionen einen Überbietungsanspruch in sich trügen, sagte Heimbucher. Beide beriefen sich auf eine unumstößliche Glaubenserkenntnis, "gefolgt von dem Reflex, wir sind besser als die anderen". Als die Christen von einer Minderheit zu einer Mehrheit wurden, hätten sie ihre scheinbare Überlegenheit an den Juden ausgelassen, "mit grässlichen Folgen". Erst nach dem Massenmord an den Juden in der NS-Zeit hätten die Christen begonnen, dies aufzuarbeiten. Die Geschichte zeige, dass dies ein sehr langer Lernprozess ist, unterstrich Heimbucher.

Die große Unterstützung für die Flüchtlinge in den Kirchengemeinden und in der Gesellschaft mache deutlich, dass sich Christen und Muslime in bestimmten Situationen sehr nahe stehen könnten, sagte Heimbucher. Trotz aller Glaubensunterschiede könne daraus im Dialog eine "Gemeinde der Zukunft" mit gegenseitigem Respekt und Anerkennung entstehen.