Kirchen: Solidarität mit Flüchtlingen - Papst: Friedensbemühungen

Leuchtender Herrnhuter Weihnachtsstern in der Abenddämmerung

Foto: epd-bild/Rainer Oettel

Die Kirchen haben an Weihnachten zu Solidarität und Offenheit gegenüber Flüchtlingen aufgerufen. Papst Franziskus wies in seiner Weihnachtsbotschaft auf das Schicksal der Menschen hin, die auf der Flucht vor Elend und Krieg sind.

Zugleich forderte er verstärkte Friedensbemühungen in Kriegsgebieten im Nahen Osten und Afrika. In Deutschland mahnten evangelische und katholische Bischöfe Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen an.

Papst Franziskus prangerte in der Mitternachtsmette im Petersdom an Heiligabend eine "Kultur der Gleichgültigkeit" an und rief zu Mitleid und Barmherzigkeit auf. Zugleich kritisierte er, die moderne Gesellschaft sei oft trunken von Vergnügung, Überfluss und Luxus. Am ersten Weihnachtstag spendete er vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom den traditionellen Segen "Urbi et orbi" (der Stadt und dem Erdkreis).

Die Weihnachtsbotschaft ermutige zu tatkräftigem Einsatz für Flüchtlinge und Menschen in sozialer Bedrängnis, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am ersten Weihnachtsfeiertag in der Münchner Matthäuskirche. Bei der Aufnahme der vielen Flüchtlinge sei Deutschland über sich hinausgewachsen. Die große Aufgabe sei jetzt, die Flüchtlinge hier zu integrieren, sagte der bayerische Landesbischof.

Bedford-Strohm hatte an Heiligabend im Münchner Hauptbahnhof eine Christvesper mit rund 200 Flüchtlingshelfern, Diakonie-Mitarbeitern und Passanten gefeiert. Ein Bahnhof sei ein passenderer Ort für die Weihnachtsbotschaft als Kirchen oder eine romantische Weihnachtskulisse, sagte der Theologe. Auch Jesus sei auf der Durchreise geboren worden, hinein in eine Welt voller Hass, Armut und Gewalt.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister würdigte die große Hilfsbereitschaft der Deutschen. "2015 ist Deutschland ein Weihnachtsland geworden", sagte er an Heiligabend in der Marktkirche in Hannover. "Hunderttausende haben Tür und Tor geöffnet und Herberge angeboten, wo Menschen ihre Heimat verlassen hatten." In einer weiteren Predigte mahnte er weitere Hilfen für Flüchtlinge an und erinnerte daran, dass viele Deutsche vor 70 Jahren selbst Flüchtlinge gewesen seien.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski appellierte an die Solidarität der Menschen und die Bereitschaft, mit Schwachen zu Teilen. "Es geht schon längst nicht mehr um die sogenannte Willkommenskultur, es geht um die Bereitschaft zum Teilen in unserem Land und weltweit", sagte Rekowski in der Düsseldorfer Johanneskirche. "Menschlichkeit ist unteilbar und bewährt sich in tätiger Fürsorge für die Flüchtlinge", betonte der Theologe.

Dröge:"Jahr der Willkommenskultur"

Der Berliner Bischof Markus Dröge rief an Heiligabend im Berliner Dom zu Zuversicht für das kommende Jahr auf. 2015 sei das "Jahr der Willkommenskultur" gewesen, nun brauche Deutschland "Mut und Vertrauen, die nächsten Schritte zu gehen". Es gehe darum zu lernen, das Land gemeinsam mit den Flüchtlingen "als eine offene, gesprächsbereite, menschliche Gesellschaft zu gestalten".

Der Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich, rief in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag im Dom zu Lübeck dazu auf, Vielfalt als Reichtum anzuerkennen und Toleranz zu üben. "Gott kennt keine Obergrenzen, wenn es um Schwache und Elende geht", betonte Ulrich in seiner Weihnachtsbotschaft.

Terror, Fluchtbewegungen und Krieg stünden in starken Gegensatz zur Weihnachtsbotschaft "Frieden auf Erden", sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung in Darmstadt. Wirklicher Friede entstehe aber nur, wenn Menschen einander als gleichberechtigt annähmen.

Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad rief die Christen dazu auf, gegen Hass und Fremdenangst anzugehen und die Herzen für Flüchtlinge zu öffnen. Nötig sei eine "friedliche Demonstration der Barmherzigkeit", sagte Schad in einer Predigt in der Speyerer protestantischen Gedächtniskirche.

Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs nannte die Weihnachtsgeschichte von der ärmlichen Geburt Jesu in einem Stall in diesem Jahr aktueller denn je. Sie verwies dabei auf Tausende Flüchtlingskinder, die nach Deutschland kamen.

Der Essener katholische Bischof Franz-Josef Overbeck zog Parallelen vom derzeitigen Flüchtlingszuzug zur Herbergssuche von Maria und Josef vor Jesu Geburt. "Es ist eine neue Form der Herbergssuche, die Völkerwanderungen gleicht, die wir erleben", sagte er in seiner Predigt im Essener Dom.