Krebsmediziner: Mehr Personal für Sterbebegleitung erforderlich

Eine Bewohnerin des Hospiz am Bonner Waldkrankenhaus am 01.12.2014 im Gespräch mit einer Begleitperson während an einem Adventskranz die erste Kerze brennt.

Foto: epd/Meike Boeschemeyer

Mit dem neuen Hospiz- und Palliativgesetz soll ab dem 1. Januar 2016 die Betreuung sterbender Menschen verbessert werden.

Wenn Hochleistungsmedizin nicht mehr hilft und der Tod kommt, braucht der Sterbende Ruhe und Fürsorge. Fürsorge braucht Zeit - und viel fürsorgliches Pflegepersonal.

Palliativmediziner haben eine deutliche Aufstockung des Pflegepersonals für die Betreuung schwer kranker, sterbender Menschen gefordert. Durch die Ökonomisierung auch im Krankenhaus sei das Personal immer weiter abgebaut worden, sagte der Berliner Palliativmediziner Peter Thuß-Patience.

Die Stationen sollten insgesamt besser ausgestattet werden. "Es gibt schon noch einen Bettenengpass. Und eine große Warteliste. Und es gibt sicherlich noch mehr Patienten im Krankenhaus und ambulant, die von palliativmedizinischen Angeboten profitieren könnten", sagte Krebsspezialist Thuß-Patience, der die Palliativstation an der Berliner Charité leitet.

Zum 1. Januar 2016 tritt das Hospiz- und Palliativgesetz in Kraft, das neben einer besseren Betreuung sterbender Menschen vor allem auch den Ausbau der Versorgung in der Fläche vorsieht. Dafür sollen schätzungsweise 200 bis 300 Millionen Euro mehr ausgegeben werden. "Die Palliativmedizin hat jetzt viel mehr Akzeptanz in der Bevölkerung gefunden. Die Patienten sind den Angeboten der Palliativmedizin offener gegenüber, betonte Thuß-Patience.

Nach den Worten des Potsdamer Onkologen und Palliativmediziners Georg Maschmeyer müssen ambulante und stationäre Sterbebegleitung gleichermaßen gefördert werden. Maschmeyer sagte, es sei darauf zu achten, dass nicht etwa Mittel für den Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung in dünner besiedelten Landstrichen "im Bereich stationärer Versorgung wieder eingespart werden".

Aus Maschmeyers Sicht hat das System bisher noch nicht die notwendige Qualität. So seien die Standards in der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) auf dem Land durchaus unterschiedlich. "Da kann es vorkommen, dass speziell ausgebildete Palliativpflegekräfte Patienten zu Hause betreuen, aber nur zwischen 08.00 Uhr und 16.00 Uhr - während nachts und am Wochenende Aushilfskräfte zum Einsatz kommen. Die Patienten werden dann wieder ins Krankenhaus geschickt, weil zum Beispiel die Schmerzbehandlung nicht ausreicht."

Maschmeyer, der Leiter der Palliativstation am Ernst von Bergmann Klinikum ist, unterstrich, der Umfang der Betreuung sterbender Menschen, ob zu Hause, im Krankenhaus oder in Heimen, werde weiter zunehmen, da die Bevölkerung im Schnitt immer älter werde. Viele chronische oder Krebserkrankungen "können wir heute wesentlich erfolgreicher behandeln als noch vor 20 Jahren. Die Menschen leben deutlich länger, haben aber dadurch auch mehr Zuwendungsbedarf".

Thuß-Patience erläuterte, das Behandlungsspektrum universitärer Palliativmedizin reiche heute von hoch spezialisierten Eingriffen zur Linderung der Beschwerden bis hin zu rein medikamentöser und begleitender Pflege und Fürsorge. Es stelle sich daher für Team und Patienten bei der Behandlungsstrategie immer zuerst auch die Frage, ob ein Eingriff überhaupt vorgenommen werden sollte.