Kardinal Marx äußert Bedenken am Syrien-Einsatz des Bundeswehr

Kardinal Reinhard Marx hat sich besorgt gezeigt über den militärischen Einsatz der Bundeswehr in Syrien.

Er könne nicht erkennen, dass es einen Friedensplan für die Zeit nach der Stationierung gebe, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Sonntag im Deutschlandfunk. Dieser sei aber die Voraussetzung, dass der Einsatz moralisch gerechtfertigt sei. Ohne einen langfristigen Friedensplan werde der Kriegseinsatz die Lage in Syrien nur verschlimmern. Wörtlich sagte Marx zum Militäreinsatz der Allianz gegen die Terroristen des "Islamischen Staates": "Ich kann kaum erkennen, dass das der richtige Weg wäre."

Zur Flüchtlingskrise sagte der Münchener Erzbischof, er halte Forderungen aus der CSU nach Obergrenzen für ein Scheingefecht. Sie führten in die Irre. Wer für Obergrenzen plädiere, wolle den Menschen Sicherheit vermitteln und signalisieren, "würde das Wort Obergrenze ausgesprochen, hätten wir das Problem im Griff, was aber nicht stimmt, " erklärte Marx im "Interview des Woche" des Deutschlandfunks. Es sei allerdings erlaubt, darüber nachzudenken, wie die große Zahl von Flüchtlingen begrenzt werden könne.

Die katholische Kirche wolle dazu beitragen, dass die Integration der Flüchtlinge gelinge. "Diese Integrationsaufgabe ist auch ein Testfall, ob eine offene Gesellschaft funktioniert, ohne dass sie Prinzipien und Kultur und Identität verliert." Marx kritisierte eine Tendenz in vielen Ländern Europas und in fast allen Religionen, sich "stärker gegen den anderen zu profilieren". Nationalismus, Verhärtung und "rückwärtsgewandtes Träumen von der Vergangenheit" lehne er ab. Er sei überzeugt, die Zukunft liege "in einer offenen und vielfältigen Gesellschaft", sagte der Kardinal.

Theologisch müssten die Religionsgemeinschaften intensiver über Freiheit nachdenken. Die katholische Kirche sollte "nicht auf der Seite der Unfreiheit und der Angst stehen", sagte Marx. Alle Religionsgemeinschaften könnten der Versuchung erliegen, Menschen beherrschen und kontrollieren zu wollen. Damit könne man Menschen mobilisieren, erklärte er. Denn viele suchten nach klaren Vorgaben. "Aber das ist nicht das Menschenbild, das trägt; es ist nicht das Menschenbild der Bibel." Früher habe sich die Kirche schwer getan mit Demokratie und Liberalismus, räumte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ein. "Heute wissen wir: Eine freie und offene Gesellschaft entspricht dem Evangelium."