Treffen von "Pegida"-Anhängern und Gegnern in Dresdner Kreuzkirche

Über dem ehemaligen Fabrikgebäude der Zigarettenfabrik Yenidze (l-r), dem Hausmannsturm, dem Haus der Presse, dem Rathausturm und der Kreuzkirche, zeichnet sich am 28.07.2015 in Dresden (Sachsen) ein dunkler Wolkenhimmel ab.

Foto: dpa/Arno Burgi

Dunkle Wolken über Dresden: "Unsere Stadt durchzieht ein tiefer Graben", sagt René Jahn, früherer Mitorganisator der "Pegida"-Demonstrationen.

In der Dresdner Kreuzkirche haben Gegner und Befürworter der fremdenfeindlichen "Pegida"-Bewegung erneut versucht, einen Dialog miteinander zu starten.

Bei dem Treffen am Mittwochabend riefen sie ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten zu einer friedlichen Verständigung auf. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) kritisierte, politische Meinungen würden öffentlich immer frustrierter, wütender und kompromissloser geäußert. "Wir stecken fest", konstatierte er. "Da schließe auch ich mich mit ein."

Jeder in Politik, Verwaltung und in der Gesellschaft sollte seine Meinung hinterfragen, forderte Hilbert. Dies müsse auf dem Boden des Grundgesetzes geschehen. Gewalt und Hetze seien ausgeschlossen. Aus der offenen Diskussion über Demokratie und Toleranz könne Dresden gestärkt hervorgehen.

Der frühere Mitorganisator der "Pegida"-Demonstrationen, René Jahn, bezeichnete den offenen Dialog als wichtigste Aufgabe. Viele Bürger demonstrierten, weil sie sich von der Politik übergangen fühlten und keine andere Möglichkeit sähen, ihren Protest zu äußern. "Unsere Stadt durchzieht ein tiefer Graben", sagte Jahn. Er könne Ängste und Sorgen der Menschen verstehen. Die Entfernung zwischen Bürgern und Politik sei größer geworden. Nur das Gespräch miteinander könne Gräben zuschütten und Brücken bauen. Das Bündnis "Dresden für alle" hatte wegen des Auftritts von Jahn seine Teilnahme an dem Treffen abgesagt.

Sachsens früherer Ausländerbeauftragter Martin Gillo betonte, angesichts der Herausforderung durch die große Zahl von Flüchtlingen dürfe weder schwarz gemalt noch schöngefärbt werden. Er schlug die Einrichtung eines "Zukunftsrats Dresden" vor. In dem Gremium müssten Vertretern aus allen sozialen Schichten und Parteien vertreten sein. Lösungen seien nur zu finden, wenn man einander zuhöre.

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