Saudischer Blogger Badawi mit Sacharow-Preis ausgezeichnet

Porträt von Raif Badawi an einem Schreibtisch.

Foto: Amnesty International/privat

Als Symbolfigur im Kampf für Grundrechte hat das Europäische Parlament den in Saudi-Arabien inhaftierten Blogger Raif Badawi geehrt. Seine Frau nahm den Preis entgegen. "Raif ist kein Verbrecher", sagte sie: "Er träumt von einer besseren Welt."

Das Europäische Parlament hat den saudischen Blogger Raif Badawi am Mittwoch mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit ausgezeichnet. "Badawi ist zu einer Symbolfigur und zu einer Inspiration für diejenigen geworden, die für die Grundrechte in der ganzen Welt kämpfen", sagte der Präsident des Parlaments, Martin Schulz (SPD), in Straßburg. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert. Badawi sitzt in Saudi-Arabien wegen kritischer Äußerungen über den Islam in Haft. Seine Frau nahm den Preis für ihn entgegen.

Badawi hatte auf seinem Blog kritische Kommentare unter anderem über die saudische Religionspolizei veröffentlicht. "Trotz eines hohen Risikos bemüht sich Raif Badawi als Blogger tapfer, das freie Denken zu fördern", sagte Schulz. Er habe nichts wahrgenommen als sein Recht auf freie Meinungsäußerung und damit eine Lücke gefüllt. In Saudi-Arabien ist die Pressefreiheit stark eingeschränkt.

2014 wurde der heute 31-Jährige zu zehn Jahren Haft, 1.000 Peitschenhieben und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Bisher wurden davon 50 Schläge vollstreckt. Seit vergangener Woche befindet sich Badawi nach Angaben seiner Ehefrau Ensaf Haidar im Hungerstreik. Sie lebt nach Morddrohungen mit den drei gemeinsamen Kindern im Exil in Kanada.

"Raif ist kein Verbrecher", sagte Haidar in ihrer Rede vor dem Europäischen Parlament: "Er träumt von einer besseren Welt, in der die Andersdenkenden akzeptiert werden." In Saudi-Arabien werde das Denken von muslimischen Geistlichen beeinflusst, die in einem anderen Jahrhundert lebten und ein ungerechtes, tyrannisches Regime führten: "Raif Badawis Verbrechen besteht darin, dass er seine freie Meinung vertritt, und das in einem Land, welches nur eine einzige Meinung akzeptiert."

Der Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments ist mit 50.000 Euro dotiert und nach dem russischen Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow (1921-1989) benannt. Die Auszeichnung wird seit 1988 jährlich an Personen vergeben, die sich weltweit in besonderer Weise für Menschenrechte eingesetzt haben. Im vergangenen Jahr wurde der kongolesische Arzt Denis Mukwege ausgezeichnet, der sich um misshandelte Frauen kümmert.

Parlamentspräsident Schulz forderte am Mittwoch erneut die Begnadigung und die sofortige Freilassung Badawis. Außerdem sagte er, die EU sei zum Dialog mit Saudi-Arabien bereit. Kein Waffengeschäft und kein Ölhandel dürften Europa davon abhalten, für Menschenrechte zu kämpfen.