Protestantischer Pastor in Nordkorea zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt

Ein Gericht in Pjöngjang hat einen südkoreanischen Pastor mit kanadischem Pass wegen "Subversion" zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt.
Das Urteil gegen den Geistlichen habe das oberste Gericht Nordkoreas am Mittwoch gesprochen, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua aus Pjöngjang. Der 60 Jahre alte Hyeon Soo Lim sei wegen des "Versuchs, die Regierung der DPRK (Demokratische Volksrepublik Korea) zu stürzen" und das "gesellschaftliche System durch religiöse Aktivitäten zu unterminieren", angeklagt worden. Weiter sei dem in Seoul geborenen protestantischen Pastor vorgeworfen worden, zusammen mit der "Menschenrechtsbande" USA und Südkorea Propagandamaterial gegen das Ansehen Nordkoreas produziert zu haben. Zusammen mit dem US-amerikanischen Botschafter in der Mongolei soll der Kanadier zudem Pläne geschmiedet haben, Nordkoreanern zur Flucht zu verhelfen.

Religion außerhalb der staatlich erlaubten Kirchen ist unerwünscht

Kanadische Medien hatten im März unter Berufung auf Lims Kirche berichtet, der Pastor sei mehr als 100 Mal zu humanitären Zwecken in das weithin abgeschottete Nordkorea gereist. Nach einer Pressekonferenz Ende Juli in Pjöngjang wurde Hyeon Soo Lim von den staatlichen Medien zitiert mit der Aussage: "Ich war in verschiedenen Gebieten der Volksrepublik im Namen der 'Hilfe', um ihr soziales System zu stürzen." In Nordkorea waren in der Vergangenheit mehrfach festgenommene Ausländer bei Pressekonferenzen erschienen, die vom kommunistischen Regime inszeniert wurden. Nordkorea hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Südkoreaner, Amerikaner und andere Ausländer wegen des Vorwurfs "feindseliger Handlungen" oder der Spionage festgehalten. 
 
Die Verfassung des kommunistischen Nordkorea garantiert Religionsfreiheit. Laut einer im Februar 2014 veröffentlichten Untersuchung der Menschenrechtslage in Nordkorea durch die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen sind jedoch vor allem Christen Verfolgung, Gewalt und Verurteilungen zu harten Strafen ausgesetzt, insbesondere wenn sie ihre Religion außerhalb der staatlich erlaubten Kirchen praktizieren. "Der Staat betrachtet die Verbreitung des Christentums als besonders schwerwiegende Bedrohung, weil es ideologisch den offiziellen Personenkult in Frage stellt und eine Plattform für soziale und politische Aktivitäten und Interaktionen außerhalb der staatlichen Sphären bietet", hieß es in dem Report. Unter den "schätzungsweise 80.000 bis 120.000 politischen Gefangenen" seien auch einige, die wegen religiöser Aktivitäten verurteilt worden seien.
 
 
Im vergangenen Jahr war der amerikanische Missionar mit südkoreanischen Wurzeln Kenneth Bae nach zwei Jahren Haft vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Bae war wegen des "Aufrufs zum Umsturz" zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Wenige Wochen zuvor war der US-Tourist Jeffrey Fowle freigelassen worden. Fowle war zu fünf Monaten Haft verurteilt worden, weil er auf der Toilette eines Klubs in Pjöngjang eine Bibel liegengelassen haben soll.