Psychologin: Überhöhte Erwartungen an Weihnachten sind belastend

Mit selbst gesteckten hohen Anforderungen und überhöhten Erwartungen machen sich viele Menschen die Weihnachtsfeiertage nach Ansicht der Diplompsychologin Ruth Belzner oft selbst schwer.

"Es gibt an Weihnachten fast schon eine Pflicht, glücklich zu sein", sagte die Leiterin der ökumenischen Würzburger Telefonseelsorge dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dies mache dann Einsamkeit, Unglück oder kaputte Beziehungen noch schwerer erträglich. Es gebe rund um die Feiertage "auch kaum Möglichkeiten, sich abzulenken", das öffentliche Leben komme schließlich fast zum Erliegen.

Die bedrückende Einsamkeit habe zudem auch gerade an Weihnachten etwas mit wenig Geld zu tun, sagt Belzner: "Frauen nach Trennungen und Scheidungen zum Beispiel stehen oft finanziell schlecht da - das verschärft natürlich das Leiden, wenn sich alle etwas leisten können, nur man selbst nicht." Aber nicht nur psychisch belasteten Menschen oder Menschen in besonderen Lebenssituationen setzten die Feiertage zu. "Advent und Weihachten für sich und die Familie schön zu gestalten, das kann richtig in Stress ausarten", erläutert Belzner. Da könne man schon in eine Art Sinnkrise geraten, betonte die Expertin.

Auch bei der Telefonseelsorge merke man diese besondere Belastung der Weihnachtszeit. Spätestens ab dem ersten Advent nehme die Zahl derer zu, die mit mulmigen Gefühlen an diese Tage denken. "Entweder, weil sie alleine sind und nicht wissen, wie sie diese drei Tage überstehen sollen - oder, weil sie Bammel vor dem Familienfest und den dortigen Konflikten haben", sagt Belzner. Dagegen gebe es keine Standardtipps, aber man weise auf die vielen Angebote hin, die es etwa in Kirchen gibt. Doch das helfe nicht allen: "Im Extremfall muss sagen: Die Tage gehen vorbei, auch wenn sie subjektiv lang sind."