Unesco-Bewerbung der Franckeschen Stiftungen steht vor dem Aus

Die Franckeschen Stiftungen zu Halle müssen sich wohl von der Hoffnung auf einen Unseco-Weltkulturtitel verabschieden.

Beim Internationalen Rat für Denkmalpflege (Icomos) sei die Bewerbung aus der Saalestadt komplett durchgefallen, sagte der Direktor der Franckeschen Stiftungen, Thomas Müller-Bahlke, am Mittwoch in Halle. Das sei den Verantwortlichen vor rund einer Woche bei einem Treffen in Paris mitgeteilt worden. Dem Ensemble werde kein außergewöhnlicher universeller Wert zuerkannt.

Icomos bereitet die Entscheidung für das Welterbekomitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) vor. Müller-Bahlke ist eigenen Angaben zufolge kein Fall bekannt, in dem die Unesco wesentlich von einer Empfehlung des Denkmalrates abgewichen wäre.



Für die Franckeschen Stiftungen sei diese Entscheidung "sehr überraschend" gewesen, sagte Müller-Bahlke. Zu keinem Zeitpunkt habe es Hinweise darauf gegeben, dass mit einer grundlegenden Ablehnung zu rechnen sei. Bei einer vierstufigen Bewertungsskala hatte der Antrag den schlechtesten Platz - die komplette Ablehnung - erhalten. Das Kuratorium der Stiftung soll nun im Januar entscheiden, ob der Antrag zurückgezogen wird. Noch stehe dies nicht fest, sagte Müller-Bahlke.

Die Franckeschen Stiftungen wurden 1698 von dem Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663-1727) als Armenschule und Waisenanstalt gegründet. In der Folge entstand eine Schulstadt, zu der heute mehr als 40 Bildungs- und Sozialeinrichtungen gehören. Nach Auffassung der Stiftungen handelt es sich bei dem historischen Waisenhaus und der gesamten Anlage um eine weltweit beispielgebende Architektur.