Kirchen: Europa darf sich nicht abschotten

 Kirchen befürworten offenes Europa

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Statt Zäune zu bauen, sollten die europäischen Länder stärker zusammenarbeiten.

Spitzenvertreter von evangelischer und katholischer Kirche fordern, die Sicherung von Menschenleben über den Schutz von Grenzen zu stellen.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen auf dem Weg nach Europa aufgrund unserer Abschottung ihr Leben verlieren", sagte der katholische Essener Bischof Franz-Josef Overbeck beim gemeinsamen Jahresempfang der Kirchen am Montagabend in Brüssel. Statt Zäune zu bauen, sollten die europäischen Länder stärker zusammenarbeiten.

Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der EU, Prälat Martin Dutzmann, sagte, die derzeitige Lage erfordere ein gemeinsames Asylsystem und eine europäische Sozialpolitik. Zugleich liege in einer Krise auch die Chance, Kräfte und Gestaltungswillen zu mobilisieren. "Wir merken jetzt mit aller Deutlichkeit, dass eigene Fehler in der Außen,- Handels- und Entwicklungspolitik unmittelbare Auswirkungen haben", sagte Dutzmann.



Overbeck sagte: "Die Europäische Union funktioniert nur in Solidarität - nach innen wie nach außen - und auf dem Fundament unserer gemeinsamen Werte." Er schlug humanitäre Visa und Umsiedlungsprogramme für schutzbedürftige Menschen vor. Overbeck plädierte außerdem dafür, legale Zugangswege nach Europa zu schaffen. Wenn Flüchtlinge die Möglichkeit hätten, legal nach Europa zu gelangen, wären sie nicht mehr auf Schlepperbanden angewiesen. "Die Europäische Union darf nicht zur Festung werden - weder in ihrer Grenzsicherung, noch im Herzen ihrer Bürgerinnen und Bürger", sagte der katholische Bischof.

Die Kirche erkenne die Notwendigkeit der Steuerung der Flüchtlingsströme durch den Staat. Als Christ müsse man aber besonders auch an der Seite der Schwachen stehen, sagte Overbeck, der auch Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz ist.