Dienstwagencheck: Katholiken holen auf

Deutsche Umwelthilfe: "Es tut sich was"
Das kirchliche Spitzenpersonal in Deutschland fährt zunehmend klimafreundlich. Der jährliche Dienstwagencheck der Deutschen Umwelthilfe und die neue Bescheidenheit im Vatikan zeigen offenbar Wirkung. Selbst in Bayern bewege sich etwas, heißt es.

Beim neuen Check von Dienstwagen kirchlicher Würdenträger durch die Deutsche Umwelthilfe haben die Katholiken aufgeholt. Erstmals teilen sich mit dem Diözesanadministrator Andreas Kutschke vom Bistum Dresden-Meißen und dem Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann gleich zwei Vertreter der katholischen Kirche den ersten Platz, teilte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, am Donnerstag in Berlin mit. Ihre beiden Dienstwagen haben demnach jeweils einen Kohlendioxid-Ausstoß von nur 99 Gramm pro Kilometer.

Auch sieben "Rote Karten" vergeben

Es folgen die evangelischen Landesbischöfe von Hannover, Sachsen und Schaumburg-Lippe mit jeweils 103 Gramm Kohlendioxid (CO2). Insgesamt wurden in diesem Jahr 23 "Grüne Karten", 17 "Gelbe Karten" und sieben "Rote Karten" an die Kirchenrepräsentanten vergeben. Davon entfielen allein 16 "Grüne Karten" (2014: 15) auf evangelische Bischöfe, Kirchenpräsidenten und Landessuperintendenten und sieben (2014: sechs) gingen an katholische Bischöfe. Zusätzlich wurden vier weitere "Grüne Karten" an Repräsentanten kirchlicher Hilfswerke vergeben.

Untersucht wurden Motorisierung, Spritverbrauch und CO2-Emissionen der Dienstwagen von insgesamt 47 Kirchenoberhäuptern in Deutschland sowie zusätzlich von fünf Spitzenmanagern kirchlicher Hilfswerke. Richtwert war dabei der seit 2012 geltende EU-weite Grenzwert von 130 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer.

Auskunftsverweigerer

"Absolutes Fossil und negativer Spitzenreiter" sei wie im Vorjahr der katholische Essener Bischof Franz-Josef Overbeck mit einem VW Phaeton, sagte Resch. Mit einem CO2-Ausstoß von 224 Gramm liege Overbecks "Klimakiller" mehr als 70 Prozent über dem EU-Grenzwert.

Auch die Auskunftsverweigerer sind mit den katholische Bistümern Augsburg, Mainz und Regensburg dieselben wie 2014. Dazu gesellte sich das katholische Hilfswerk Misereor, das ebenfalls keine Daten herausgerückt habe. "Aber es tut sich was", sagte Resch. Bislang hätten fast alle bayerischen Bistümer bei der jährlichen Erhebung gemauert. Jetzt seien es nur noch zwei. Die von Papst Franziskus verordnete neue Bescheidenheit und Transparenz zeige Wirkung.

Ingesamt sieht die Umwelthilfe eine positive Tendenz bei den kirchlichen Karossen. Im Durchschnitt habe sich der CO2-Ausstoß der Dienstwagenflotte weiter verbessert. "Fast die Hälfte liegt mittlerweile unterhalb des EU-Grenzwertes", bilanzierte Resch. Konkrete Verbesserungen von "gelb" auf "grün" gab es bei der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands und dem katholischen Erzbistum Hamburg.

 

Der Geschäftsführer der Umwelthilfe sieht das als Beleg eines Bewussteinswandels auch beim kirchlichen Spitzenpersonal: "Weniger Motorleistung plus weniger Ausstattung bringen geringere CO2-Emmissionen."  

 

Unterm Strich haben bei den Dienstwagen immer noch die Protestanten die Nase vorn. Während die katholischen Kirchenvertreter auf einen Durchschnittswert von 140 Gramm Kohlendioxid kommen, liegen ihre evangelischen Kollegen bei klimafreundlicheren 122 Gramm. "Rot" sah nur das katholisches Spitzenpersonal.