Studie: Pflegewünsche bei Einwanderern noch zu wenig berücksichtigt

Die Wünsche und Bedürfnisse von Einwanderern bei der Pflege im Alter werden einer Studie zufolge noch zu wenig in der Praxis berücksichtigt.

Wohlfahrtsverbände, Krankenhäuser und Ausbildungsstätten beschäftigten sich seit Jahren mit der Frage nach einer kultursensiblen Pflege, erklärte der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration am Dienstag in Berlin. "Breit verankert sind solche Ansätze allerdings noch nicht", sagte die Direktorin des Forschungsbereichs, Cornelia Schu.

Anlässlich des Integrationsgipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) veröffentlichten die Migrationsexperten eine Sonderauswertung ihres Integrationsbarometers zum Thema Pflege. Demnach unterscheiden sich die Bedürfnisse von Einwanderern und anderen nicht gravierend. Spezifische Wünsche gibt es aber bei der Religionszugehörigkeit und dem Geschlecht der Pflegekräfte.

So wünschen sich der Studie zufolge 27 Prozent der Muslime eine Pflegekraft mit gleicher Religion. Bei christlichen Befragten sind es nur neun Prozent. Rund 74 Prozent der muslimischen Frauen wollen im Alter auch von einer Frau gepflegt werden. Bei christlichen Frauen sind dem demgegenüber 51 Prozent und bei denjenigen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, 33 Prozent.

Der Sachverständigenrat ruft dazu auf, bei den Pflegeangeboten stärker die Bedürfnisse von Muslimen zu berücksichtigen. Pflegeeinrichtungen müssten prüfen, ob sie der Realität des Einwanderungslands gerecht werden, heißt es in den Empfehlungen. Schätzungen zufolge werde die Zahl der Pflegebedürftigen mit Migrationshintergrund von aktuell 285.000 auf 481.000 im Jahr 2030 steigen. Sie werden dann laut der Prognose fast 14 Prozent aller Pflegebedürftigen ausmachen.

Beim Integrationsgipfel in Berlin wollten am Dienstag Vertreter der Bundesregierung mit Experten und Vertretern von Migrantenorganisationen zusammenkommen. Als Schwerpunktthemen standen in diesem Jahr die gesundheitliche und Pflegeversorgung von Einwanderern auf der Tagesordnung.