Papst: Bischofssynode kein Parlament auf Kompromisssuche

Papst Franziskus leitet die Bischofssynode im Vatikan.

Foto: dpa/Ettore Ferrari

Papst Franziskus leitet die Bischofssynode im Vatikan.

Papst Franziskus hat davor gewarnt, in der vatikanischen Bischofssynode zu Ehe und Familie eine demokratische Versammlung zu sehen, die zwischen unterschiedlichen Parteien Kompromisse sucht.

Die dreiwöchige Familiensynode sei kein Parlament, das durch Verhandlungen einen Konsens oder ein Abkommen anstrebe, sagte er am Montag in seiner Eröffnungsrede. Die Synode sei "kein Kongress, kein Sprechzimmer, kein Parlament oder Senat, wo man sich ins Einvernehmen setzt". Franziskus appellierte an die Teilnehmer, vorurteilslos die Lage der heutigen Familien im Licht der biblischen Überlieferung zu betrachten. Diese Überlieferung sei "kein Museum", das bewahrt oder bewacht werden müsse. Von den Synodenvätern sei vielmehr Demut gefragt, "die nicht mit dem Finger auf andere zeigt, um sie zu verurteilen, sondern ihnen die Hand ausstreckt, ohne sich je überlegen zu fühlen". Auf inhaltliche Fragen wie den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen ging der Papst nicht ein.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sprach sich dafür aus, in Einzelfällen auch Geschiedene zum Abendmahl zuzulassen. "Für uns ist die Ehe ein heiliges Sakrament, und das können wir nicht aufgeben", sagte er am Montag im RBB-Inforadio. Es gebe viele Menschen, "die eine tiefe Sehnsucht nach der Eucharistie haben, nach der Gemeinschaft", argumentierte der Berliner Erzbischof, der an der vatikanischen Familiensynode teilnimmt. Deshalb sei er dafür, "dass wir für Einzelfälle, ohne die Regel außer Kraft zu setzen, wirklich das Tor öffnen".

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan Vesper, äußerte die Hoffnung, dass die Kirche barmherzige Wege finde für Geschiedene, die eine neue Ehe eingehen. Wenn in einer neuen Ehe Kinder getauft würden und zur Kommunion gingen, "dann kann es doch nicht richtig sein, wenn hier die Mutter oder der Vater nicht mitgehen darf", sagte er im Deutschlandfunk.

Der honduranische Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga äußerte die Hoffnung, dass die Synode einen "Weg der Fröhlichkeit und der Hoffnung für alle Familien" eröffnen werde. Vor dem Hintergrund von Kontroversen über den Umgang der Kirche mit Homosexualität und wiederverheirateten Geschiedenen forderte der Papst-Vertraute zum Dialog auf.

Am Sonntag hatte Papst Franziskus mit einer Messe die Bischofssynode eröffnet. Bis zum 25. Oktober werden rund 270 Synodenväter aus aller Welt über das katholische Verständnis von Ehe, Familie und Sexualität diskutieren. Im Mittelpunkt des Interesses steht der Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen und mit Homosexuellen.

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