«Gefährliche Viecher»

Krankenhäuser verstärken den Kampf gegen multiresistente Erreger

epd-bild / Werner Krueper

Reinigungskraft vor dem Betreten eines Zimmers, in dem ein Patient mit einem multiresistenten Keim behandelt wird.

Keime, die gegen Antibiotika resistent sind, bedrohen die Gesundheit von Patienten und Klinikmitarbeitern. Mit besserem Hygienemanagement gehen Krankenhäuser gegen die lebensbedrohliche Gefahr an.

Speyer (epd)Wenn in den Medien wieder einmal von den gefährlichen "Krankenhauskeimen" die Rede ist, steigt bei Dirk Jentschura der Blutdruck. "Die Leute bringen die Keime mit ins Krankenhaus, sie nehmen sie nicht von dort mit", stellt der Ärztliche Direktor am Diakonissen-Stiftungskrankenhaus Speyer klar. Patienten oder Besucher verteilten die "Viecher", wie er sie nennt - auch die multiresistenten Erreger (MRE). Diese sind mit Antibiotika nicht mehr zu bekämpfen und können für geschwächte Krankenhauspatienten lebensbedrohlich sein.

Der erste Internationale Tag der Patientensicherheit an diesem Donnerstag widmet sich dem Thema Hygiene und Vermeidung von Infektionen. Jentschura kritisiert, es herrsche ein falsches Bild von Hygienemängeln an deutschen Kliniken, die die Ursache für die Ausbreitung von Krankenhausinfektionen seien. In der Praxis sei die Infektionsrate an Krankenhäusern relativ gering, die meisten Häuser arbeiteten zum Wohl der Patienten und auch ihrer Mitarbeiter sehr sauber.

Bis zu 40.000 Todesfälle

Doch Hygiene ist teuer, es "gibt sie nicht zum Nulltarif", weiß Jentschura. Patiententests auf multiresistente Erreger würden von den Krankenkassen zu wenig bezahlt. Ziel müsse es sein, die Infektionsrate niedrig zu halten, sagt der Mediziner, der für die Hygiene seines Hauses mit jährlich rund 22.000 Patienten verantwortlich ist.

Rund 400.000 bis 600.000 Krankenhausinfektionen gibt es jährlich nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts in Deutschland, daran sterben 10.000 bis 15.000 Menschen. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene geht gar von jährlich bis zu 40.000 Todesfällen aus. Ein Drittel der Krankenhausinfektionen wäre nach Meinung von Experten bei konsequenter Hygiene vermeidbar.

Die medizinische Versorgung von Patienten, die sich mit multiresistenten Erregern infiziert haben, verursacht nach eine Studie der Techniker Krankenkasse (TK) Mehrkosten im Gesundheitssystem von mehreren Hundert Millionen Euro. Jede einzelne Infektion schlage mit 17.500 Euro Mehrkosten zu Buche. Das Marienkrankenhaus in Kassel testet alle Patienten seit Monatsbeginn auf multiresistente Keime.

Geld und Personal fehlen

VRE, MRSA und MRGN heißen die bedrohlichen Erreger, die kaum mehr eingedämmt werden können. "Das Thema kocht hoch, die Angst nimmt zu", bestätigt Andreas Brückner, der Ärztliche Direktor des Evangelischen Krankenhauses des Landesvereins für Innere Mission in der Pfalz in Bad Dürkheim. Der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika in der Medizin und in der Tiermast seien die Hauptursachen dafür, dass bestimmte resistente Bakterien oder ihre Resistenzgene auf den Menschen übertragen werden könnten.

Ursache für Hygienemängel seien in erster Linie fehlendes Geld und Personal, sagt der Leiter der Krankenhaushygiene an der Uniklinik Heidelberg, Martin Scherrer. Für kleinere Krankenhäuser könnten externe Dienstleister zur Aufbereitung chirurgischer Instrumente "durchaus eine Alternative" sein, schlägt der Heidelberger Hygieneexperte vor.

Auf die Entwicklung neuer Impfstoffe dürften keine zu großen Hoffnungen gesetzt werden, betont Chefarzt Brückner. "Wir müssen uns damit abfinden, dass wir mit multiresistenten Keimen leben."