Misereor: Tausende Jesiden leben noch immer im Sindschar-Gebirge

Misereor: Tausende Jesiden leben noch immer im Sindschar-Gebirge
Ein Jahr nach der Vertreibung Tausender Jesiden im Nordirak durch die Miliz "Islamischer Staat" (IS) harren nach Angaben des Hilfswerks Misereor noch mehr als 10.000 Flüchtlinge im Sindschar-Gebirge aus.

Die Versorgungslage sei angespannt, erklärte das katholische Hilfswerk am Freitag in Aachen unter Berufung auf seine Partnerorganisation "Jiyan Foundation", die mehrere Flüchtlingslager im Nordirak betreut. Ihr Leiter Salah Ahmad warnte, die Lage drohe sich durch die jüngste Konfrontation zwischen der türkischen Regierung und der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) weiter zu verschärfen.

"In diesem Sommer wurde das Wasser zeitweise äußerst knapp, es gab sehr wenige Reserven", berichtete Ahmad. Die Flüchtlinge litten unter Temperaturen über 40 Grad. Eine große Herausforderung sei auch die medizinische und psychologische Betreuung der oftmals schwer traumatisierten Menschen.



Obwohl die kurdischen Kämpfer Ende 2014 einige jesidische Städte und Dörfer zurückerobert hätten, blieben viele Jesiden im Sindschar-Gebirge, weil sie sich dort sicherer fühlten, sagte Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. "Ihre ursprünglichen Häuser sind nicht bewohnbar. Entweder wurden sie völlig zerstört oder vermint."

Im Juni vergangenen Jahres nahm die IS-Terrormiliz Teile des Iraks ein, darunter die Millionenstadt Mossul. Zahlreiche Menschen wurden von den radikalen Islamisten hingerichtet oder verschleppt, Hunderttausende flohen. Viele von ihnen, darunter Jesiden und Christen, entkamen über das Sindschar-Gebirge. Etwa 1,5 Millionen Vertriebene fanden Zuflucht in der autonomen kurdischen Region im Nordirak. Die IS-Miliz beherrscht mittlerweile weite Teile Syriens und des Iraks und hat dort ein "Kalifat" ausgerufen.