Kirche bietet Zivilcourage-Kurse für Umgang mit Neonazis an

Im Kampf gegen Rechtsextremismus muss nach Ansicht des Dortmunder Pfarrers Friedrich Stiller die Zivilcourage von Bürgern in der Auseinandersetzung mit Neonazis gestärkt werden.

 "Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir die Nazis nicht so schnell loswerden in Dortmund", sagte der Sprecher des Dortmunder Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus dem Evangelischen Pressedienst (epd). Allein mit Mitteln der Polizei und Justiz könne man das Problem nicht dauerhaft lösen.

In Dortmund bietet der evangelische Kirchenkreis seit kurzem Zivilcourage-Trainings an. Die Teilnehmer üben darin nach Stillers Worten Reaktionen auf Begegnungen mit Neonazis etwa bei Demonstrationen, Flugblattaktionen oder als Nachbarn im Stadtteil ein. "Es gibt keine festen Lösungen", betonte der Pfarrer. Die Kurse sollten aber helfen, Ängste abzubauen und sicherer aufzutreten.

Keine Gesprächsmöglichkeit mit "hartem Kern"

Mit dem harten Kern der Neonazis in Dortmund sei allerdings wegen ihrer Gewaltbereitschaft kein politisches Gespräch möglich, sagte Stiller. Nach seiner Einschätzung gehören dazu 50 bis 80 Aktivisten. Sie zählten zur Gruppe der Autonomen Nationalisten und zeichneten sich durch ein modernisiertes Erscheinungsbild und hohe Gewaltbereitschaft aus.

Angesichts der gehäuften Einschüchterungsversuche von Dortmunder Rechtsextremen etwa gegenüber Flüchtlingen und Journalisten in den vergangenen Monaten sprach sich Stiller erneut für ein Verbot der Partei "Die Rechte" aus. Dies forderte auch die evangelische Kirche in Dortmund auf ihrer jüngsten Synode.

 In der Partei, die einen Sitz im Stadtrat hat, sind viele Mitglieder der 2012 verbotenen Kameradschaft "Nationaler Widerstand Dortmund" aktiv. "Der Staat muss die Strukturen, die aufgebaut wurden, wieder stören", forderte Stiller. Dringend nötig seien daneben mehr Angebote für Aussteiger aus der Szene.