Studie: Deutschland wird offener für Einwanderer

Studie: Deutschland wird offener für Einwanderer
Deutschland ist beim Thema Zuwanderung gespalten: Im Westen wächst laut einer Studie die Willkommenskultur, im Osten die Skepsis. Dabei hätte Deutschland sogar noch mehr Zuwanderung nötig, sagen Experten.

Die Deutschen sehen ihr Land zunehmend als Einwanderungsland. Trotz zuwanderungskritischer Demonstrationen wachse hierzulande die Willkommenskultur, erklärte die Bertelsmann Stiftung bei der Präsentation einer Studie am Freitag in Gütersloh. Danach schätzen sechs von zehn Befragten den Empfang von Einwanderern als freundlich ein. Im Jahr 2012 war lediglich die Hälfte der Bundesbürger dieser Ansicht. In den östlichen Bundesländern wird die Zuwanderung indes skeptischer bewertet: Dort glauben deutlich mehr Bürger als im Westen, dass das Zusammenleben mit Migranten zu Konflikten führt. 

Den Eindruck eines offeneren Landes teilen der Studie zufolge zunehmend Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Nach Ansicht von 68 Prozent der befragten Migranten werden Einwanderer von staatlichen Stellen willkommen geheißen. Drei Jahre zuvor sagten das lediglich 57 Prozent.

Durchwachsen sind die Einschätzungen über den Nutzen von Einwanderung. Viele Menschen sehen der Studie zufolge Vorteile für die Ansiedlung internationaler Firmen (70 Prozent) und für die demografische Entwicklung (60 Prozent). Zugleich verbinden deutliche Mehrheiten Zuwanderung mit Problemen in Schulen (61 Prozent) und Belastungen des Sozialstaats (64 Prozent).

In den ostdeutschen Bundesländern wird die Zuwanderung deutlich negativer bewertet. Dass das Zusammenleben zu Konflikten führt, glauben im Osten 73 Prozent und im Westen 61 Prozent. Eine vermeintliche Belastung des Sozialstaates sehen im Osten 69 Prozent gegenüber 63 Prozent im Westen.

Ost- und Westdeutschland hätten sich in dieser Frage in den vergangenen Jahren in gegensätzliche Richtungen entwickelt, hieß es. Dabei lebten gerade in den ostdeutschen Bundesländern erheblich weniger Migranten als im Westen. Außerdem werde der Osten wegen des demografischen Wandels besonders stark auf Zuwanderung angewiesen sein.

Die Auswirkungen des demografischen Wandels würden jedoch in der Bevölkerung insgesamt unterschätzt, erklärte die Stiftung weiter. Fast 30 Prozent glaubten, Deutschland werde in den kommenden Jahrzehnten ohne Einwanderer gar nicht oder um maximal eine Million Menschen schrumpfen. Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes werde Deutschland jedoch bis 2060 ohne Zuwanderung um über 20 Millionen Menschen schrumpfen.

Damit Deutschland für Einwanderer attraktiver wird, sprach sich die Mehrheit für spezielle Hilfen beim Arbeitsamt und für eine leichtere Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen aus. Deutlich mehr Menschen (56 Prozent) sind für eine erleichterte Einbürgerung (2012: 44 Prozent). Gestiegen sind zugleich die Erwartungen an Zuwanderer. So sollen sie sich nach Meinung der Befragten um ein gutes Zusammenleben mit Deutschen bemühen. Drei von vier Befragten erwarten von Einwanderern, dass sie sich an die deutsche Kultur anpassen. Rund 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Zuwanderer auch ihre eigene Kultur stärker vermitteln.

Für die repräsentative Untersuchung "Willkommenskultur in Deutschland: Entwicklungen und Herausforderungen" befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Januar Auftrag der Bertelsmann Stiftung mehr als 2.000 Menschen ab 14 Jahren, die in Deutschland wohnen. Eine Vorläuferstudie wurde im Jahr 2012 durchgeführt.