Warum feiern wir Weihnachten am 25. Dezember?

Ist der 25.12. wirklich der Tag von Jesu Geburt? Und was hat der Sonnengott damit zu tun?
Foto: cvmcgarry / fotolia

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Natürlich: Am 25. Dezember wurde Jesus Christus geboren. Seinen "Geburtstag" feiern wir seit Ewigkeiten deshalb an diesem Datum. Aber: Wie kommt es dazu? Und wer sagt, dass dieses Datum überhaupt stimmt?

In der Bibel gibt es tatsächlich keinerlei Anhaltspunkt dafür, wann Jesus geboren wurde. Weder ist in den Weihnachtsgeschichten von der Kälte des Winters die Rede, noch von der beginnenden Blüte. Die christliche Tradition bedient sich hier vielmehr indirekter Anhaltspunkte, die sich nur durch eine allegorisierende Deutung aus einigen wenigen Textstellen herauslesen lassen, die einem dann aber erstaunliche Zusammenhänge auftun (in einem rein geistlichen Sinne, nicht in einem historisch-wissenschaftlichen).

Dabei werden nun folgende Indizien zusammengefügt:

In Lukas 1,26 steht, dass "im sechsten Monat" der Engel Gabriel Maria erschien. Genau genommen sind all diese Auskünfte sehr allgemein. Aber nehmen wir mal an: Der "sechste Monat" bezeichnet nicht den sechsten Monat des jüdischen Kalenders (das wäre der Monat Elul - etwa von Mitte August bis Mitte September). Sondern die Bezugsgröße für "im sechsten Monat" wäre die vorausgehende Erzählung von der Erscheinung des Erzengels Gabriel vor Zacharias (die allerdings auch nicht datiert ist). Dann würde das heißen: Die Mutter des Täufers Johannes wird sechs Monate vor der Mutter Jesu schwanger. Verlaufen die Schwangerschaften nach Plan, dann wäre Johannes ein halbes Jahr älter als Jesus.

Der Zusammenhang zwischen Johannestag und Christnacht

In Johannes 3,30 sagt Johannes der Täufer über Jesus: "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen." Wobei für "abnehmen" im Griechischen das Wort "elassein/elattein" steht, was so viel heißt wie: geringer/kleiner/weniger/unbedeutender werden. Dieser Satz passt auf die Tatsache, dass Johannes' Bedeutung gegenüber der von Jesus im weiteren Verlauf des Johannesevangeliums abnimmt. Er könnte mit etwas Fantasie aber auch auf den liturgischen Kalender passen. Wenn nach dem Johannestag die Länge der Tage abnimmt, dann fiele der Johannestag auf den Tag mit dem längsten Sonnenstand (das ist nach dem etwas veralteten Julianischen Kalender der 24. Juni). Wenn nach dem Christtag (bzw. der Christnacht) die Länge der Tage zunimmt, dann fiele die Christnacht auf den Tag mit dem kürzesten Sonnenstand (nach dem Julianischen Kalender die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember). Beides passt zusammen: Der Abstand der Geburtstage und die Tage des Kirchenjahres.

Sextus Julius Africanus (geboren ca. 160 bis 170 n. Chr., gestorben ca. 240 n. Chr.) war ein hochstehender römischer Bürger und zugleich Christ. Er ist der Autor der ersten christlichen Weltchronik. In ihr datiert er den ersten Schöpfungstag auf einen 25. März - nach Festlegung des damals gültigen Julianischen Kalenders der Frühlingsbeginn. Auch die Schöpfung beginne mit dem Aufbrechen der Natur, nicht mit ihrer Blüte im Sommer oder ihrem Absterben im Herbst, meint Julius Africanus (ihm war offenbar nicht bewusst, dass die Erde auch eine Südhalbkugel hat). Er schloss daraus, dass mit dem Frühlingsbeginn auch die neue Schöpfung beginnen müsse, die neue Schöpfung in Christus. Er legte diesen Tag als den Tag der Empfängnis Mariens fest. Neun Monate Schwangerschaft dazu gerechnet, ergibt sich flugs auch daraus  die Geburt Jesu im Dezember/Januar - idealerweise sogar am 25.12.

Die längste Nacht bei Lukas und Matthäus

Liest man nun mit diesen Festlegungen im Hinterkopf die Weihnachtsgeschichte des Lukas, dann passt die Szene von den Hirten, die mitten in der Nacht von der Klarheit des Herrn erleuchtet werden, wunderbar: Das Licht erscheint demnach in der größten Dunkelheit, d. h. der längsten Nacht des Jahres. Gleiches gilt für die Weihnachtsgeschichte des Matthäus: Nie ist ein Stern so lange am Himmel zu sehen, wie in der längsten Nacht des Jahres.

Oft wird auch behauptet: Der Weihnachtstermin habe die germanische Wintersonnenwendfeier abgelöst. Nun ist diese angeblich vorchristliche germanische Wintersonnenwendfeier allerdings nicht ernsthaft durch Quellen belegbar. Und wer will überhaupt wissen, ob es damals überregionale Bräuche in den diversen Völkerstämmen jenseits des Limes gegeben hat? Überregionale nicht-christliche Bräuche nördlich des Limes gab es ja noch nicht einmal Anfang des 19. Jahrhunderts!

Das Licht löst den Sonnengott ab

Richtig ist: Das Weihnachtsfest löste die Feier des "Sol Invictus"-Festes am 25.12. ab (die Feier des "Unbesiegbaren Sonnengottes", der Teil des römischen Kaiserkultes war). Dieser Termin wurde allerdings auch erst Mitte des dritten Jahrhunderts festgelegt. Und: Bereits aus Julius Africanus' älteren Berechnungen vom Anfang des dritten Jahrhunderts hatte sich ja der Weihnachtstermin ergeben. Das hieße aber: Nicht die Gleichsetzung von der Geburt des Sol Invictus und des Weihnachtsfestes macht den Termin. Sondern der Weihnachtstermin bot sich an, weil man einen populären Ersatz für die Sol Invictus-Feiern suchte. Das Neue war nur, dass man nun die Geburt Jesu feierte - was sich bis dahin für einen Christen (zumindest für einen gelehrten) nicht gehörte. Der damals lebende Theologe Origines (ein guter Bekannter von Julius Africanus) nämlich sagte, es zieme sich nicht, die Geburt Christi zu feiern (also seine Geburt nach dem Fleisch), sondern nur seine Taufe (also seine geistliche Geburt, die im Übrigen mit Epiphanias am sechsten Januar begangen wurde). Irdische Geburtstage seien heidnische Feste, das war Origines' Überzeugung.