Seelsorge – den nächsten Schritt nicht allein gehen

Foto: epd-bild/Werner Krüper

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Probleme, Not und Trauer kennen keine Öffnungszeiten und keine Feiertagsruhe. Sie treffen Menschen oft unvorbereitet, ungeschützt und können des Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellen. Unterschiedlichste Dinge können die Sicherheiten eines Lebens in Frage stellen und den Boden wanken lassen. Vielen Menschen fällt es schwer, sich dann verletzlich zu zeigen, über ihre Sorgen zu sprechen und um Hilfe zu bitten.

Die wichtigste Aufgabe von Seelsorge heißt daher: Da sein. Da sein wo Menschen miteinander leben, arbeiten und streiten, wo sie ihren Weg meistern oder auch scheitern. Erreichbar sein. In diesem Sinne ist Seelsorge ein ureigenes Anliegen der Kirche. Sie öffnet ihre Türen für Suchende und Stolpernde, für Menschen, die ihren Halt – vorübergehend – verloren haben. Und die Kirche will Mut machen auf ein Leben mit Gefährdungen und Rissen. Weil die Zusage Gottes gilt, dass wir auch darin gehalten sind.

Die erste Adresse für ein Gespräch, einen Rat oder auch Informationen über weiterreichende Hilfsangebote sind deshalb die Pfarrerinnen und Pfarrer in den Gemeinden – mitten im Leben. Sie bieten Begegnung an, von Angesicht zu Angesicht. In vielen Gemeinden haben sich auch Menschen in Gruppen, Selbsthilfeinitiativen oder Gesprächskreisen zusammengefunden, die sich gegenseitig begleiten in schwierigen Lebensphasen: Alleinerziehende oder chronisch Kranke, Trauernde oder Arbeitslose. Sie kennen die Krisen und Herausforderungen ihrer Lebenssituation und können mit Verständnis aufeinander eingehen.

Chat-, E-Mail- und Brief-Seelsorge

Manchmal lässt es sich mit einem Unbekannten offener über Probleme sprechen. Wem es leichter fällt, anonym sein Herz auszuschütten, kann sich in der chatSEELsorge.de an vertrauenswürdige Gesprächspartner wenden. Hier sind Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakone, Religionspädagoginnen und Religionspädagogen zu festen Uhrzeiten online und reagieren direkt. Sie bieten vertrauliche und anonyme Zweiergespräche in einem geschützten Chatroom an oder auch den Austausch zu mehreren im offenen Chat. Der Kontakt ist ein Angebot für alle, unabhängig von Religionszugehörigkeit, Alter und Geschlecht. Das Profi-Team, das sich hier ehrenamtlich engagiert, ist übrigens auch per Mail erreichbar. Die chatSEELsorge.de ist ein Angebot der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Und auch im Computerzeitalter kann man seine Gedanken und Sorgen noch ganz altmodisch zu Papier bringen und per Post verschicken. Wer sie nicht an einen nahestehenden Menschen schicken kann oder mag, ist eingeladen, sich mit Fragen und Nöten an die Briefseelsorge der Diakonie zu wenden. Dort beantwortet ein Team von ehrenamtlichen Männern und Frauen diese Briefe - vertraulich und gewissenhaft.

Trauernetz.de

Für die besondere Situation des Abschieds von einem Verstorbenen bietet die Webseite trauernetz.de Begeleitung und Kontakt an. Sie beantwortet Fragen, die im Moment des Todes eines Angehörigen oder nahestehenden Menschen entstehen. Auf die Gestaltungsmöglichkeiten des Abschieds, insbesondere der kirchlichen Bestattung, wird hier ausführlich eingegangen. Und in Foren begleiten sich Betroffene gegenseitig durch die unterschiedlichen Phasen der Trauer, wenn der Alltag neu durchbuchstabiert werden muss. Wer darüber hinausgehend Hilfe braucht, findet auf trauernetz.de auch weitere Adressen.

Die Seite trauernetz.de ist eine Kooperation der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und des Gemeinschaftswerkes Evangelischer Publizistik.

Telefonseelsorge

Anonym, vertraulich und datengeschützt ist die Telefonseelsorge – und sie gehört zum festen Angebot der evangelischen und der katholischen Kirche. Menschen in akuten Leid- und Krisensituationen, die einen Gesprächspartner suchen, finden hier rund um die Uhr ein offenes Ohr. Niemand erfährt etwas von dem Anruf und er ist absolut kostenlos.

Die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge sind sorgfältig ausgewählt, über mindestens ein Jahr ausgebildet und werden durch regelmäßige Supervision begleitet. Sie begegnen den Ratsuchenden konfessionell unvoreingenommen. Träger der TelefonSeelsorge sind die beiden christlichen Kirchen in Deutschland, die Evangelische Kirche und die Katholische Kirche.

Die TelefonSeelsorge ist mit mehr als 100 Standorten deutschlandweit vertreten. Wer sie unter den kostenlosen Nummern 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 kontaktiert, wird automatisch mit der nächstliegenden TelefonSeelsorge-Stelle verbunden (dieser Verteiler funktioniert nur bei Anrufen aus dem Festnetz der Deutschen Telekom und aus dem Mobilfunknetz von T-Mobile). Über das Internet ist auch eine gesicherte Mail- und Chat-Beratung erreichbar.

Aidsseelsorge

Das Netzwerk für Kirchliche AIDS-Seelsorge ist ein Zusammenschluss von Seelsorgenden, mehrheitlich evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer, die im Bereich HIV und AIDS tätig sind. Ihr Angebot richtet sich an Erkrankte, ihre Partnerinnen und Partner, Freundinnen und Freunde, Angehörige und andere Menschen, die Begleitung und Unterstützung wünschen. Außer vertraulichen Einzelgesprächen bieten Mitarbeitende des Netzwerks auch die Mitgestaltung von Gottesdiensten und Veranstaltungen zum Thema an.

Weitere Beratungs- und Seelsorgeangebote

Individuelle Beratung und Begleitung leistet die evangelische Kirche in vielen Bereichen, wo Seelsorger und Seelsorgerinnen sich speziell auf ein Lebensumfeld einstellen – beispielsweise mit der Militärseelsorge, der Aussiedlerseelsorge, im Gefängnis, im Kinderkrankenhaus oder auch im Circus. Die Kontakte und weitere Informationen zu dieser Arbeit finden Sie hier.