Ja! Mit Gottes Segen – Das evangelische Eheverständnis

Brautpaar unter einem Schleier.

Foto: Rich H Legg/iStockphoto

Ein Kleid für einen Tag im Leben, ein Festmahl, das alle Gäste satt macht, ein Ja, das alle hören sollen. Die Hochzeit ist – der Begriff verrät es treffend – dem Alltag enthoben, ein Tag wie kein anderer, ein Höhepunkt im Leben.

So unterschiedlich Paare ihre Heirat auch deuten und gestalten, es ist ihr ganz persönliches Fest, einmalig und besonders. Und auch wenn Partner heute oft schon zusammenleben, ehe sie an Ehe denken, wenn sie sich ihre Liebe schon in der Zweisamkeit gestanden und das Ja schon auf dem Standesamt besiegelt haben: Für viele ist die kirchliche Trauung der eigentliche Moment der Hoch-Zeit.

Die standesamtliche Heirat macht aus zwei Bürgern ein Ehepaar – für den Staat, das Bürgerliche Gesetzbuch und das Finanzamt. Mit der kirchlichen Trauung aber bekennen sich zwei Menschen vor Gott und der Gemeinde zueinander – und versprechen sich ihre Treue und Verbundenheit für den weiteren gemeinsamen Weg. Damit geben sie sich nicht nur gegenseitig das berühmte Ja-Wort. Auch die Gemeinde sagt Ja zu dieser Ehe - und sie erbitten Gottes Ja, den Segen.

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei"

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei", stellt Gott am Ende seines Schöpfungswerkes fest (1.Mose 2,18). Der Mensch findet erst zu seiner Bestimmung in Zweisamkeit. Und auch diesem Zusammensein von Mann und Frau gilt Gottes Urteil: "Und siehe, es war sehr gut". Die Hochzeit ist das Fest dieser menschlichen Gemeinschaft, voller Dankbarkeit und Hoffnung. Zwei Menschen danken dafür, dass sie einander gefunden haben, sie feiern ihre Liebe und hoffen, dass Gutes wachsen kann in ihrer Beziehung – auch in schweren Zeiten.

"Die Ehe ist ein äußerlich, weltlich Ding", betonte der Reformator Martin Luther 1530 in seiner Schrift "Von Ehesachen". Die Eheschließung obliege weltlichen Autoritäten und solle von dieser Seite geregelt werden. Dass die Ehe rechtlich vor der Kirchentür geschlossen wird, hat sich dann in Europa mehr und mehr durchgesetzt. Und so gilt es in der evangelischen Kirche nach wie vor: Voraussetzung einer kirchlichen Trauung ist die Eheschließung auf dem Standesamt. Diese Ehe gilt als eine Gemeinschaft auf Lebenszeit. Anders als die römisch-katholische Kirche versteht die evangelische Kirche die Ehe aber nicht als unauflösbares Sakrament. Daher können hier auch Geschiedene kirchlich getraut werden und für ihre neue Ehe den Segen Gottes erbitten.

Angesichts der Möglichkeit des Scheiterns

Ein Traugottesdienst bringt zum Ausdruck, dass Kraft und Gelingen für das gemeinsame Leben nicht nur im Paar selbst begründet sind, sondern auch im Zuspruch von Freunden und Familie, wie im Segen Gottes. So bleibt gerade bei der kirchlichen Trauung auch im Blick, dass Menschen scheitern können an ihrem Vorhaben, einander ein Leben lang zu lieben und zusammenzubleiben. In diesem Sinne ist im christlichen Glauben die Rede von der Liebe zwischen zwei Menschen als Geschenk Gottes. In einer lebenslangen und respektvollen Beziehung kann etwas aufscheinen von Gottes Liebe, seiner Wertschätzung des Menschen und seiner Treue. So wie es das Bibelwort aus dem 1. Johannesbrief sagt: "Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm." (4,16)

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