Mit Kindern beten

Foto: iStockphoto/madisonwi

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Kinder brauchen Rituale. Das merkt jeder, der eine Geschichte einmal ein Fitzelchen anders vorliest als sonst- prompt regt sich Protest. Die Geschichte muss, bitte schön, so und nicht anders sein. Uns Erwachsenen geht dieses Beharren auf feste Formen gelegentlich auf die Nerven. Dabei würde es uns manchmal selbst ganz gut tun, etwas mehr in Rituale eingebunden zu sein. Nicht in Stress-Rituale wie den Feierabend-Verkehr, sondern in schöne Fixpunkte im Alltag.

Gebete sind eine Möglichkeit, solche Fixpunkte zu schaffen. Kinder sind regelrecht dankbar für diese regelmäßigen Momente der Ruhe, in denen es mal nicht hopplahopp gehen muss. Gebete können ein gemeinsamer Abschluss des Tages sein, sie können den Jahreslauf begleiten oder dafür sorgen, dass die Mahlzeiten nicht hastig und wie nebenbei eingenommen werden.

Das allein wäre Grund genug, sie dem Alltag abzuringen. Aber Gebete pflegen auch die kindliche Religiosität. Denn kleine Kinder sind von Natur aus religiös: Sie bewundern und verehren staunend ihre Umwelt, die Pflanzen, die Tiere und die Mitmenschen. Sie haben nie einen Zweifel daran, dass das, was sie jeweils umgibt, etwas ganz Geheimnisvolles ist.

Es wird Kindern ganz bestimmt nicht schaden, wenn man mit ihnen betet. Und es wird sie auch nicht davon abhalten, sich irgendwann auf andere Weise mit der Welt auseinander zu setzen, als sie es mit drei oder fünf Jahren tun.