Evangelisches Krankenhaus: Nicht nur eine Zimmernummer

Foto: Kate Kotova/iStockphoto

Foto: Kate Kotova/iStockphoto

Alles in Chrom oder Fliesen, kein bisschen Farbe, sterile Atmosphäre, schmale Kreißbetten: Die Zeiten, als die Geburt im Krankenhaus einem maschinellen Vorgang ähnelte, sind zum Glück vorbei. Viele Krankenhäuser haben ihre Geburtsmedizin inzwischen so weit wie möglich auf familienfreundliche und ganzheitliche Betreuung umgestellt.

Wahlmöglichkeit für verschiedene Gebärpositionen, Akupunktur zur Geburtserleichterung, Homöopathie oder Aromatherapie sind heute in viele Kliniken selbstverständlich. Genauso wie die aktive Einbeziehung des werdenden Vaters.

Evangelische Krankenhäuser machen da keine Ausnahme, im Gegenteil. Wert und Würde menschlichen Lebens sind hier der Maßstab allen Handelns. Im christlichen Glauben ist jeder Mensch einzigartig. Krankenhäuser als reine Verwahr-Stationen oder medizinische Entscheidungen über die Köpfe der Patientinnen und Patienten hinweg lassen sich mit dieser Einstellung nicht vereinbaren. So ist es zum Beispiel selbstverständlich, dass Patientinnen einen Namen haben - und eben nicht nur die „Steißlage von Zimmer 11“ sind.

Entwicklungen moderner Medizin kritisch begleiten

Was bei solchen Kleinigkeiten anfängt, setzt sich auch in der großen Linie fort. Für die Begleitung in ethischen Fragen und die Klärung von Problemsituationen ist in manchen evangelischen Krankenhäusern eine Ethikkommission eingerichtet worden. Entwicklungen, die heute durch die moderne Medizin möglich werden, können so kritisch hinterfragt und begleitet werden. Natürlich müssen auch evangelische Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten, um am Gesundheitsmarkt bestehen zu können. Dinge wie der Wunschkaiserschnitt auf Bestellung wird es dort allerdings bei allem Kostendruck sicher nicht geben.

Die evangelischen Krankenhäuser blicken auf eine lange Tradition zurück, die oft bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Heute gibt es in Deutschland mehr als 370 evangelische Krankenhäuser mit etwa 63.000 Betten, darunter eine Reihe von Spezialkliniken, zum Beispiel für Suchtkranke oder für psychosomatische Erkrankungen. In den evangelischen Krankenhäusern in Deutschland arbeiten mehr als 100.000 Menschen. Viele dieser Kliniken unterhalten zudem Ausbildungsstätten für Krankenpflege, Alten- und Kinderkrankenpflege.