Spannender Countdown zum Friedensnobelpreis 2014

Am Freitag wird das Nobelkomitee in Norwegens Hauptstadt Oslo bekanntgeben, wer in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhält.

"2014 war bislang ein dramatisches Jahr", sagte der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstituts PRIO, Kristian Berg Harpviken, am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Offenbar ringt man damit, sich auf einen Kandidaten zu verständigen."

Medien spekulieren, dass sich die Vergabe des Preises schwieriger als sonst gestaltet. Demnach kommt das Komitee nach einem Treffen am vergangenen Donnerstag in dieser Woche erneut zusammen. Diesen Umstand bezeichnete Harpviken als außergewöhnlich. So etwas sei in den sechs Jahren, in denen er als PRIO-Chef die Preisvergabe beobachte, noch nicht vorgekommen.

Als Favoriten für den Friedensnobelpreis werden in Wettbüros Papst Franziskus, der NSA-Whistleblower Edward Snowden und der kongolesische Arzt Denis Mukwege gehandelt. Snowden bekam in diesem Jahr bereits den Alternativen Nobelpreis einer schwedischen Stiftung zuerkannt. Mukwege operiert im Kongo vergewaltigte Frauen und ist ebenfalls Träger des Alternativen Nobelpreises.

So viele Vorschläge wie nie zuvor

Der pakistanischen Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai werden ebenfalls gute Chancen auf den Friedensnobelpreis eingeräumt, nachdem sie schon im vergangenen Jahr als Top-Favoritin gegolten hatte. Die 17-Jährige setzt sich für Bildungschancen für Mädchen ein und wurde bei einem Anschlag der radikal-islamischen Taliban schwer verletzt. Auch die russische Zeitung "Nowaja Gaseta", für die die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja schrieb, gilt als preisverdächtig.

Der Friedensnobelpreis wird traditionell am 10. Dezember in Oslo verliehen, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. Im vergangenen Jahr wurde die "Organisation für das Verbot von Chemiewaffen" ausgezeichnet.

Das Nobelkomitee in Oslo selbst hält sich vor der Bekanntgabe des Preisträgers bedeckt, über die Nominierten selbst werden keine Informationen veröffentlicht. Bekanntgegeben wird aber die Zahl der Vorschläge: In diesem Jahr sind 278 Vorschläge eingegangen, so viele wie noch nie zuvor. Darunter sind 47 Organisationen.

PRIO-Direktor Harpviken hat mit Blick auf schwelende Konflikte in Ostasien inzwischen die pazifistische Initiative "Das japanische Volk, das den Artikel 9 bewahrt", auf Platz Eins gerückt. Der Grundgesetzartikel verbietet dem Land das Führen von Kriegen und den Einsatz von Gewalt zur Lösung von Konflikten. Über die Auslegung des Paragrafen wird aber derzeit neu diskutiert. Harpviken hatte ursprünglich auf Papst Franziskus getippt.