Potsdamer Stadtverordnete verhindern Bürgerentscheid zu Garnisonkirche

Potsdamer Garnisonkirche

Foto: ZB/Bernd Settnik

In Potsdam wird es keinen Bürgerentscheid zur Garnisonkirche geben: Bei der Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung gab es am Mittwochabend eine Mehrheit für das erfolgreiche Bürgerbegehren - damit ist ein Bürgerentscheid vom Tisch.

Acht der 39 anwesenden Kommunalparlamentarier stimmten bei der Sondersitzung für das Bürgerbegehren, drei dagegen, die anderen Abgeordneten enthielten sich.

Nun muss Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), erklärter Befürworter des Wiederaufbaus, sich entgegen seiner eigenen Überzeugung um die Auflösung der kirchlichen Garnisonkirchenstiftung bemühen. Die Auflösung der Stiftung gilt jedoch als unrealistisch, weil die Stadt nur einen Sitz im elfköpfigen Kuratorium hat.


Die Gegner des Wiederaufbaus wollten mit den Volksabstimmungen dokumentieren, wie die Einwohner Potsdams zur Garnisonkirche stehen. Im Bürgerbegehren hatten sich innerhalb von dreieinhalb Monaten fast elf Prozent der Wahlberechtigten gegen die Garnisonkirche ausgesprochen. Ein Bürgerentscheid mit einer hohen Beteiligung wäre jedoch aussagekräftiger gewesen. Die Gegner der Garnisonkirche wollten damit ein Signal setzten, das mögliche Geldgeber abschreckt.

Jakobs hatte das Bauvorhaben am Mittwoch im RBB-Inforadio erneut verteidigt. Den architekturkritischen Vorwurf, der geplante Nachbau trage zum Aufbau eines "preußischen Disneylands" in Potsdam bei, könne er nicht nachvollziehen, sagte der Oberbürgermeister.

Für den Wiederaufbau gebe es gute Gründe. So sei die 1945 im Zweiten Weltkrieg zerstörte und 1968 in der DDR abgerissene Garnisonkirche eine der schönsten Barockkirchen Norddeutschlands gewesen und bündele die deutsche Geschichte "wie in einem Brennglas", sagte Jakobs. Der Bau eigne sich zudem hervorragend als Versöhnungszentrum, von Militarismus könne bei dem Bauvorhaben deshalb Rede sein.

Ein generelles Misstrauen in die Potsdamer Stadtplanung sehe er nicht, sagte Jakobs. Das Beispiel Stadtschloss zeige, dass es kaum noch Kritiker gebe, wenn nach langer Diskussion ein Beschluss gefällt worden sei. Auch über die Garnisonkirche werde innerhalb der Stadtgemeinschaft noch intensiv diskutiert werden müssen, betonte der Oberbürgermeister. Doch am Ende würden es "alle gut finden und massenhaft dort hinpilgern".

Der Wiederaufbau ist unter anderem umstritten, weil die Garnisonkirche als Symbol des preußischen Militärs gilt und 1933 von den Nazis zur Inszenierung der Reichstagseröffnung genutzt wurde. Befürworter argumentieren unter anderem mit der städtebaulichen Bedeutung der Kirche und einer Wiedergutmachung für den Abriss der Ruine in der DDR.