Anglikaner lassen Bischöfinnen zu

Justin Welby wird neues Oberhaupt der Anglikaner

Foto: epd-bild/Keith Blundy

Justin Welby, Oberhaupt der anglikanischen Kirche, bat die Generalsynode darum, nach der Abstimmung über die Zulassung von Bischöfinnen nicht zu jubeln.

Frauen dürfen in der anglikanischen Kirche von England jetzt auch Bischöfinnen werden. Die Entscheidung der Generalsynode fiel nach einem jahrelangen Richtungsstreit.

Nach jahrelangem Ringen hat die Generalsynode der anglikanischen Kirche von England am Montag für die Bischofsweihe von Frauen gestimmt. Vor der Abstimmung im Kirchenparlament hatte der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, um Zustimmung zu dem Gesetzentwurf geworben: "Heute erfüllt sich das, was vor 20 Jahren mit der Weihe von Frauen zur Priesterin begonnen hat", sagte das Oberhaupt der Kirche von England im nordenglischen York.

Die Einführung weiblicher Bischöfe war innerhalb der anglikanischen Kirche umstritten. Traditionalistische Anglikaner hatten sich wiederholt gegen die Bischofsweihe von Frauen ausgesprochen. Sie hatten im November 2012 in der Generalsynode einen ähnlichen Gesetzentwurf verhindert und die Kirche in eine tiefe Krise gestürzt.

Obwohl es in der Kirche von England seit 20 Jahren weibliche Priester gibt, war Frauen das Bischofsamt verwehrt geblieben. Das neue Gesetz macht die Bischofsweihe für Frauen in Zukunft möglich. Die erste Bischöfin könnte bereits zum Ende des Jahres geweiht werden.

Erzbischof Welby zeigte sich hocherfreut über das Ergebnis der Abstimmung. Nun bestehe die Herausforderung darin, auch denjenigen Liebe entgegenzubringen, die dem Gesetz aus theologischen Gründen nicht zustimmen konnten, sagte das Kirchenoberhaupt.

Obwohl der Erzbischof von York, John Sentamu, die Versammlung gebeten hatte, nach der Abstimmung nicht zu jubeln, sondern zu schweigen, waren nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses Jubelschreie zu hören.

Wer keine Frau will, kann sich einen Mann bestellen

Das Gesetz sieht einen Kompromiss vor, um traditionalistische Gemeinden, die die Bischofsweihe von Frauen ablehnen, entgegenzukommen. Sie können nach Prinzipien, die die Bischöfe festlegen werden, männliche Priester und Bischöfe anfordern, die für ihre Gemeinden verantwortlich sind. Dieses Verfahren wird von einem unabhängigen Ombudsmann überwacht.

Dennoch zeigten sich traditionalistische Mitglieder der Synode nach der Abstimmung enttäuscht. Sie befürchten, dass Frauen künftig ihrer traditionellen Rolle in der Gesellschaft beraubt werden, wenn sie auch Ämter in der Kirche übernehmen müssen. Nach ihrer Auffassung erlaubt die Bibel keine Weihe von Frauen, da es unter den Aposteln in der Bibel auch keine Frauen gegeben hat.

Bereits 2005 hatte die 467 Mitglieder zählende Synode die Weihe von Frauen zu Bischöfen grundsätzlich befürwortet. Seither dauerte jedoch das Ringen um die Änderungen des Kirchenrechts an. Das Gesetz muss nun im britischen Parlament bestätigt werden. Anschließend geht es zurück an die Generalsynode, wo es im November bereits offiziell verkündet werden könnte.