Gemeindeforum

Taufe und dann Kirchenaustritt?

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5 replies [Letzter Beitrag]
DLEMBERT
Eingetreten: 24.09.2009

 Ich habe keine Ahnung ob das hier der richtige Ort ist für diesen Beitrag- allerdings möchte ich einfach mal meinem Ärger Luft machen!

Ich bin Evangelisch getauft, meine Frau und Familie alle katholisch und wir haben einen kleinen Sohn vor 3 Monaten bekommen, welcher nun von uns zur ev. Taufe gebracht werden soll.

 

So weit so gut! Ich bin froh das er überhaupt ev. getauft wird ;-)

In unserem Kreis wird nur Sonntags ein Gottesdienst gehalten, bei dem das Kind getauft werden könnte. Samstags geht schon gar nicht. Im übrigen-  im Umkreis von 40 km nicht. (Ich wohne nicht in der Wüste sondern im Saarland, welches recht dicht besiedelt ist ;-) Unsere Familien habe alle eine Anreise von durchschnittlich über 500 km zu bewältigen, aber macht ja nichts. Gottesdienst gibt es nur Sonntags in der Zeit zwischen 9:15 und 10:15. Der katholische Pfarrer im übrigen sagt: wann möchten SIe Ihr Kind taufen lassen wir machen einen Taufgottesdienst extra für den Jungen. Am Samstagmittag 15:00 Uhr- kein Problem.

Soviel zu dem Thema Flexibilität! 

Das Beste -scheinbar haben alle ev.Pfarrer im Umkreis auch noch über unseren Termin Urlaub ( Ich habe mir mal die Arbeit gemacht zu schauen wie lange: mindestens 2 KW bis 4 KW). Jetzt haben wir einen Schulpfarrer als Vertretung bekommen, der uns heute dann gesagt hat er möchte einen Gottesdienst an dem Sonntag über das Thema Schuld machen, wie da eine Taufe reinpasst weis er noch nicht.

Danach gefragt ob wir uns im Vorfeld einmal Treffen können, sagt er dass er in der Nacht vor dem Gottesdienst erst aus dem Urlaub kommt und wir wahrscheinlich vor ihm in der Kirche sein werden.

Da ist mir jetzt echt die Hutschnur geplatzt. Ich zahle mit meiner Frau zusammen knapp 10.000 € Kirchensteuer im Jahr. Die Frage ist echt wie lange noch!!!!

 

Wenn so mit unseren Kirchenmitgliedern umgegangen wird, wundert es mich nicht das so viele Leute aus der Kirche austreten. In der heutigen Zeit sollte doch das Thema Dienstleistung auch mal in der Kirche einzug halten.

 

D.Lembert

Ismael
Eingetreten: 03.09.2009
Weg in die Kirche

Ich möchte die Frage mal etwas grundsätzlicher angehen, also nicht nur auf die geschilderte Situation bezogen.

Die Taufe ist ja der Schritt in die Kirche - und damit auch in die konkrete Ortsgemeinde - hinein. Eigentlich nur ein Schritt auf einem längeren Weg. In der frühen Kirche, als noch in der Regel Erwachsene getauft wurden, dauerte die Vorbereitung auf die Taufe ein bis zwei Jahre.

Wenn nun heute meistens kleine Kinder getauft werden, ändert das nichts daran, dass trotzdem ein Weg ins Christsein hinein beschritten werden soll. Ein Weg, den die Eltern zunächst mit dem Kind auf dem Arm gehen und auf dem sie ihr Kind auch später gemeinsam mit den Paten begleiten sollen.

Es wäre dazu sinnvoll, schon recht früh Kontakt zum jeweiligen Pastor und zur Gemeinde zu suchen. Nicht erst, wenn die Feier konkret geplant wird und - wie geschildert - der Terminkalender schon ziemlich voll ist. Wenn man einander schon ein wenig kennengelernt hat, geht es leichter. Die Taufeltern erfahren, mit wem sie es zu tun haben, was sie erwarten können und was nicht und wie die Gemeinde so "gestrickt" ist. Und auch dem Pastor wird deutlich, dass da nicht irgendjemand ein Sakrament wie eine bestellte Dienstleistung abgreifen möchte, sondern ein ernstes Anliegen mit der Taufe hat. Dann gibt es sicher auch von der Seite des Geistlichen ein größeres Engagement.

Die Kinder im Sonntagsgottesdienst zu taufen, ist schon sinnvoll. Denn es handelt sich ja nicht um die Privatangelegenheit der Familie (auch wenn das natürlich ein großer Tag ist), sondern um die Aufnahme des Täuflings in die Christenheit und damit in die Gemeinde (= Gemeinschaft) am Ort. Da soll die Gemeinde also schon beteiligt sein, finde ich.

Gruß, Ismael

DLEMBERT
Eingetreten: 24.09.2009
;-)

 Das ist ja alles lieb und richtig ;-)

 

Den Pfarrer der eigentlich für uns zuständig ist, kennen wir schon seit unserer Trauung von vor 3 Jahren. Allerdings wen wundert es,- eigentlich nur vom Vorgespräch. Zur eigentlichen Trauung kam dann auch eine Vertretung, das war dann im Oktober, da unser Pfarrer auch da im Urlaub war.  

Ich finde das alles schon recht seltsam. Vielleicht habe ich einfach nur eine falsche Vorstellung oder bin von früher her verwöhnt. Wie ich gehört habe gibt es auch nur noch ein Jahr lang und dann immer einmal im Monat ein Treffen für die künftigen Konfirmanden. Zu meiner Zeit war man im ersten Jahr Katechumene und wurde dann erst Konfi und ein Jahr später ging man zur Konfirmation. Heute wäre das alles zu viel Arbeit, wenn mit verschiedenen Gruppen gearbeitet werden müsse. Da fällt mir schon nichts mehr ein,- aber gut !

Der Pfarrer aus meiner ursprünglichen Heimatgemeinde betreute ebenfalls 5 Ortschaften mit insgesamt über 20.000 Einwohner. Allerdings fand an jedem Sonntag in jedem Ort ein Gottesdienst statt, sowie in seinem Heimatort immer noch zusätzlich ein Kindergottesdienst. Einmal im Monat kam dann noch ein Gottesdienst am Samstag dazu. 

Taufen und Hochzeiten nach Bedarf am Samstag oder wenn gewünscht innerhalb des Gottesdienstes. Beerdigungen kamen dann auch noch dazu.

Er unterrichtete die Woche über noch in der Grundschule ev. Religion für alle 4 Klassen und hielt die o.g. Unterrichte für Katechumenen und Konfis ab.

Er war ebenfalls verheiratet und hat zwei Kinder. Urlaub wurde wenn überhaupt mit Reisen für alte oder jungen Menschen aus der Gemeinde verbunden.

Heute weiß ich das leider alles erst so zu schätzen, was dieser Mann geleistet hat und wie er seiner Berufung gefolgt ist.

Leider weilt er nicht mehr unter uns.

Inzwischen ist auch dort ein neuer Pfarrer tätig. Der hat es dann mit dem gleichen, heute wohl gängigen Arbeitsmodell geschafft das jeden Sonntag ein Gottesdienst abwechselnd in jedem Ortsteil  in der Gemeinde stattfindet und dort dann tatsächlich 15-20 Leute sitzen.

Wenn ich da an noch vor 7 Jahren denke... da waren mindestens 40-60 Menschen in jedem Ortsteil beim Gottesdienst.

 

Ich habe leider den Eindruck inzwischen gewonnen das viele Pfarrer bei uns Ihren Beruf nicht als Mission- Berufung sehen sondern als ganz normalen Job. Mit Dienst nach Vorschrift u.s.w.

Für mich ist das absolut unverständlich aber scheinbar schon zum Zeitgeist geworden.

Es war für mich nie ein Thema gewesen aus der Kirche auszutreten, da ich die Arbeit natürlich auch mit dem verbunden habe was ich direkt kennengelernt  habe. Heute frage ich mich schon ob ich das Geld nicht besser direkt entsprechenden Einrichtungen zur Verfügung stelle.

 

herzlichst

 

D. Lembert

 

 

Paloma
Eingetreten: 28.09.2009
Berufsbild

Meiner Meinung nach solltest du die Ursache für die Probleme nicht nur beim einzelnen Pfarrer suchen. Auch die Institution Kirche muss sparen. Die sinkenden Mitglieds-und Besucherzahlen bringen das mit sich. Daher verändern sich auch die Organisationsformen in und zwischen den Gemeinden. Damit verbunden ist auch eine Veränderung im Berufsbild des Pfarrers. Es geht mir nicht um das persönliche Berufsethos des Einzelnen. Aber es ist unmöglich, diesen Beruf mit der gleichen Intensität heute auszuüben, wie du das vielleicht von früher kennst. Wenn ich sehe, wie viel Aufwand oft für Gemeindearbeit betrieben wird - Und dann kommen höchstens 20 Leute.  

Yesterday's history, tomorrow's a mystery. Today is a gift. That's why it's called the present.

Passtor
Eingetreten: 02.10.2009
Schwierigkeiten bei der Taufabsprache

Hallo Herr Lembert!

Zunächst auch von mir: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem kleinen Sohn.
Ich hoffe, Mutter und Kind sind wohlauf?

Ihren Ärger kann ich verstehen.
Ich bin einer von den ev. Pfarrern, die im Sommer auch schon Urlaub hatten und dann mal nicht da waren. Dass heißt, im Moment bin ich da und die Kollegen haben Urlaub ;-)

Es ist in vielen evangelischen Gemeinden so, dass es grundsätzlich keine Taufen in Extra-Gottesdiensten gibt (außer mit einer Trauung zusammen, die sogenannte "Traufe"), weil Taufe nicht nur ein Ereignis für die betreffende Familie ist, sondern weil Taufe Aufnahme in die Kirchengemeinde bedeutet. Wir meinen bei uns, dass Gemeinde das auch wissen sollte, wenn es neue Mitglieder gibt. In den katholischen Gemeinden ist das anders.

Das betraf zum Beispiel auch die Taufe unserer eigenen Tochter. Auch da kamen Freunde und Verwandte von sehr weit her, u.a. aus London. Wir haben also einfach das Treffen und Feiern schon am Samstag angefangen, bis in den Abend hinein, am Sonntagmorgen eine fröhliche Taufe gefeiert und dann sind die meisten nach dem Mittagessen gefahren. Auch so ist vielleicht Flexibilität möglich ;-)

Grundsätzlich stimme ich mit Ihnen überein, dass Kirche sich enorm um einen "dienenden" Charakter bemühen muss, und in unserer Gemeinde sind wir da auch auf einem guten Weg. Aber die Drohung mit dem Kirchenaustritt ist irgendwo ein Totschlagargument. Dann würden wir nur noch reagieren, nur noch Wünsche erfüllen ("Warum können wir die Taufe nicht im örtlichen See machen?" "Warum können wir nicht im Strafraum des Fußballplatzes kirchlich heiraten?" "Warum muss man als Pate auch noch in der Kirche sein?" usw.) Wenn eine Behörde, die Sie sprechen möchten, freitags um 13 Uhr Dienstschluss hat, wandern Sie doch auch nicht gleich nach Kanada aus, oder ;-) Okay, war jetzt etwas polemisch und mein gutgemeintes Augenzwinkern können Sie durch die Buchstaben nicht sehen.

Also: Ich kann Sie verstehen mit Ihrem Wunsch.
Im Sommer ist es in der Tat jetzt nicht so einfach, das miteinander abzusprechen. Das, was Sie vielleicht am Evangelischsein und an unserer Kirche schön finden (nämlich, dass es Pfarrer und Pfarrerinnen gibt und dass beide heiraten und Kinder haben dürfen), bedeutet nämlich auf der anderen Seite auch, dass wir mal Urlaub mit der Familie brauchen, wenn wir auch dafür unsere Verantwortung übernehmen sollen. Mit Schulkindern geht das aber nur in den Ferien, deswegen laufen viele Gemeinden in dieser Zeit "auf Sparflamme".

Vielleicht können Sie mit der Taufe noch ein wenig warten?
Oder Sie kommen am 8. August zu uns, da haben wir nämlich unseren nächsten Taufgottesdienst (aber das Saarland ist von uns doch ziemlich weit weg).

Ich hoffe, dass Sie die Taufe so hinbekommen, dass Sie zufrieden sind und ein schönes Fest feiern können.

Herzliche Grüße,
Ihr passtor

 

 

 

 

 

Passtor

Paloma
Eingetreten: 28.09.2009
Dein Ärger ist verständlich.

Dein Ärger ist verständlich. So geht das nicht. Zwar ist es auch bei uns schwierig, einen besonderen Termin für besondere Ereignisse zu erhalten, weil unser Pfarrer, wie so viele, in 6 Orten tätig ist. Aber unmöglich ist es nicht.

Wer hat denn die Urlaubsvertretung? Für eben solche Fälle wie Taufen oder Beerdigungen? Ein Schulpfarrer? So etwas existiert bei uns nicht. Und dann so wenig flexibel in der Predigtauswahl? Das sollte ich mir mal in meinem Beruf erlauben!

Wartet ihr nun, bis euer Pfarrer wiederkommt?

Trotz allen Ärgers: Herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen für euch drei!

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