EKD fordert Solidarität mit Christen im Nahen Osten

Historische Begegnung im Berliner Dom: Gottesdienst mit Vertretern altorientalischer Kirchen

epd

Die Evangelische Kirche in Deutschland setzte am Samstag ein Zeichen der Solidarität mit den bedrängten Christen im Nahen Osten - mit einem historisch bedeutsamen Gottesdienst im Berliner Dom.

Historische Begegnung im Berliner Dom: Ranghohe Vertreter vier altorientalischer Kirchen haben am Samstag gemeinsam mit Christen verschiedener Konfessionen aus Deutschland einen Gottesdienst gefeiert. Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums hatte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) den syrisch-orthodoxen Patriarchen Ignatius Afrem II., den armenisch-orthodoxen Katholikos Karekin II. und den indisch-orthodoxen Katholikos Baselios Marthoma Paulose II. eingeladen. Angereist war auch der koptisch-orthodoxe Papst Tawadros II. aus Kairo, der aus gesundheitlichen Gründen den Gottesdienst aber nicht mitfeiern konnte.

Die vier geistlichen Oberhäupter vertreten Kirchen aus der Wiege des Christentums im Nahen Osten. Ausgerechnet dort ist ihre Tradition gefährdet. Auf die Kopten in Ägypten gab es in jüngster Vergangenheit mehrere blutige Anschläge mit vielen Toten. In Syrien flüchteten insbesondere auch Christen vor der Terrormiliz "Islamischer Staat". Viele Sakralbauten wurden dort zerstört.

Ihre Verfolgung und Bedrängnis war Anlass für das Treffen in Berlin, das ein Zeichen der Solidarität setzen sollte. Das gemeinsame Gebet gelte in besonderer Weise den bedrängten Christen im Nahen Osten, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Er würdigte auch die Rolle der altorientalischen Kirchen in Deutschland. Rund 250.000 Mitglieder dieser orthodoxen Urkirchen leben in Deutschland. Oft sind die Gemeinden Anlaufstelle für Flüchtlinge aus der Region. Als Brückenbauer hätten sie zur Integration beigetragen, sagte Bedford-Strohm.

Die vier Kirchenführer sind bereits seit einigen Tagen in Deutschland. Sie trafen in Berlin unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und tauschten sich seit Freitag auf einer Konferenz über die Situation im Nahen Osten aus. Ihr Besuch hat hohen ökumenischen Stellenwert in Jahr des 500. Reformationsjubiläums, zu dem sich die EKD vorgenommen hatte, Kontakte zu anderen Konfessionen zu vertiefen.



Mehr als zwei Stunden dauerte der Gottesdienst, in dem ein Vertreter jeder der vier Kirchen unter anderem in seiner Sprache das Evangelium - die Seligpreisungen aus der Bergpredigt Jesu - verlas. Zwischen den Wortanteilen präsentierten Chöre liturgische Gesänge der Kirchen. Für den evangelischen Berliner Dom war es eine ungewöhnliche Veranstaltung, nicht zuletzt wegen des Weihrauchs, der die gesamte Zeit in der Luft hing.

Der gemeinsame Gottesdienst sollte ein Zeichen setzen, um den Dialog zwischen Protestanten und altorientalischen Christen künftig zu intensivieren. Der koptisch-orthodoxe Bischof in Deutschland, Anba Damian, sprach sich für einen "orthodoxen Kirchentag" aus. Der Gottesdienst fand wegen der Anschlagsgefahr, in der die Oberhäupter ständig leben, unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Gestört wurde er letztlich kurz von einer Frau, die mit einem Transparent, das die Freilassung politisch Gefangener in Armenien forderte, in Richtung Altar schritt. Als Ordner eingreifen wollte, verließ sie den Platz vor der ersten Reihe im Dom aber von allein wieder.