Gottes Segen für die Regenbogen-Ehe in Württemberg?

Homo-Ehe

Foto: Getty Images/iStockphoto/girlwithacamera

Eine öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist in der württembergischen Landeskirche nicht erlaubt. Ob das so bleiben soll, wird zurzeit heftig diskutiert.

Alle evangelischen Landeskirchen in Deutschland segnen homosexuelle Paare öffentlich - bis auf Württemberg. Die württembergische Landeskirche ist die einzige der 20 Landeskirchen in Deutschland, die sich dagegen ausspricht, den göttlichen Segen zu einer solchen Partnerschaft zu geben. "Dass Gott gleichgeschlechtliche Partnerschaften bejaht, steht aufgrund der positiven Aussagen der Bibel zur Ehe und ihrer kritischen Aussagen zur Homosexualität aber zumindest in Frage", begründet die Kirche ihre Haltung auf ihrer Homepage theologisch. Allerdings könnten sich homosexuell empfindende Menschen im Rahmen der Seelsorge segnen lassen. "Dabei werden die Menschen gesegnet, nicht die Partnerschaft." 

Ob es weiterhin beim Nein zur öffentlichen Segnung bleiben soll, berät die Landessynode bei ihrer Herbsttagung im November im Zusammenhang mit der Erneuerung der kirchlichen Trauordnung. Auch bei einem internen Studientag am kommenden Samstag (24. Juni) in Bad Boll wird sich das "Kirchenparlament" noch einmal mit dem Für und Wider zur Homo-Segnung befassen.

Die Frage nach der Segnung von gleichgeschlechtlich Liebenden ist hochbrisant und emotional. Dies zeigt die Diskussion um die Stuttgarter Regionalbischöfin Gabriele Arnold. Die Theologin hatte ohne Absprache mit der Kirchenleitung die Schirmherrschaft für den diesjährigen Christopher Street Day in Stuttgart übernommen, auf dem für Toleranz gegenüber Homosexuellen geworben wurde.

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Manche evangelischen Christen bejubelten sie dafür auf Facebook. Auch der liberale synodale Gesprächskreis "Offene Kirche" solidarisierte sich mit Arnold. Heftige Kritik kam von dem stellvertretenden Vorsitzenden des konservativen Gesprächskreises "Lebendige Gemeinde", Steffen Kern: Ein solches Verhalten sei "biblisch-theologisch äußerst fragwürdig "und "droht, unsere Kirche zu spalten", schrieb er in einer Stellungnahme.

Die Positionen innerhalb der Synode bleiben unvereinbar: Die pietistisch geprägte "Lebendige Gemeinde", der größte sogenannte Gesprächskreis im Kirchenparlament, sieht "die Ehe von Mann und Frau als eine einzigartige Schöpfungsgabe an, die unter Gottes besonderem Segen steht." Für öffentliche Segnungsgottesdienste anderer Lebensformen als der Ehe von Mann und Frau "sehen wir keinen kirchlichen Auftrag", heißt es. Dagegen spricht sich die "Offene Kirche" deutlich dafür aus, dass die Liebe Gottes allen Menschen gilt und sich "homosexuelle genau wie heterosexuelle Paare vor dem Traualtar das Ja-Wort geben und um Gottes Segen bitten können."

Gegen die derzeitige Position der württembergischen Landeskirche regt sich Protest aus der Basis: Einige Kirchengemeinden sind der "Initiative Regenbogen" beigetreten und unterstützen damit unter anderem auch die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Von den rund 1.300 Kirchengemeinden in Württemberg bekennen sich bisher allerdings nur insgesamt 25 zur Initiative, 13 von ihnen stammen aus dem Raum Stuttgart. 

Schon seit Anfang der 2000er Jahre beschäftigt sich die Landeskirche mit dem Thema Homosexualität und betonte schon damals, dass selbstverständlich gleichgeschlechtlich liebende Menschen in der Kirche genauso willkommen seien wie alle anderen. Allerdings konnte man sich bislang nicht dazu entscheiden, eine öffentliche Segnung zu beschließen.

Wie eine "gemeinsame Lösung" aussehen kann, ist noch offen: Die badische Landeskirche hat die Segnung im April 2016 einer Trauung gleichgestellt, in anderen Kirchen ist die Segnung keine offizielle Amtshandlung, oder die Gemeinden können selbst entscheiden, ob sie Homosexuelle segnen oder nicht.

Mit ihrer jetzigen Haltung vertritt die württembergische Landeskirche in der Evangelischen Kirche in Deutschland eine Außenseiterposition. Weltweit gesehen ist ihr Standpunkt die Mehrheitsmeinung der Kirchen: So lehnen die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, viele konservative Kirchen innerhalb der anglikanischen Weltkirche und fast alle evangelikalen und pfingstlerischen Gemeinden es ebenfalls ab, homosexuelle Paare zu segnen.