Kirchentagspräsidentin verteidigt Auftritt von Obama mit Merkel

Kirchentag sucht Gespräch auch mit Atheisten und der AfD
Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au

Foto: epd-bild / Jürgen Blume

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au

Der evangelische Kirchentag verteidigt den geplanten Auftritt des früheren US-Präsidenten Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin gegen die Kritik, damit Wahlkampfhilfe für die CDU-Vorsitzende zu leisten.

Es geht nicht um parteipolitische Etikettierungen", sagte Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au dem Evangelischen Pressedienst (epd). Beabsichtigt sei eine Debatte "mit meinungsbildenden Persönlichkeiten" über die Verantwortung von Christen für die Welt.

Bei der Veranstaltung am Himmelfahrtstag würden Obama und Merkel auch kritische Fragen gestellt, sagte Aus der Au, die das Gespräch vor dem Brandenburger Tor gemeinsam mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, moderiert. "Wir engagieren uns, und wir wollen zum Besseren verändern", sagte die Schweizer Theologin. Das gründe in christlicher Glaubensüberzeugung und sei kein Wahlkampf.

Der evangelische Kirchentag diskutiert in diesem Jahr nicht nur mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Kirche, sondern sucht auch mit Rechtspopulisten und Atheisten das Gespräch. "Ich persönlich freue mich auf die Veranstaltungen, in denen der Dialog am stärksten zum Ausdruck kommt", sagte Aus der Au. "So wollen wir mit Atheisten über die Grenzen der offenen Gesellschaft reden und über die Grenzen der Toleranz", sagte die 51 Jahre alte Schweizer Theologin.

"Es sollen keine Parteien beim Kirchentag ausgeschlossen werden"

Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet ab dem 24. Mai in Berlin statt. Er steht in diesem Jahr im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums. Der Überlieferung nach hatte Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt. Die Thesenveröffentlichung gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.  

Grundsätzlich sollen keine Parteien beim Kirchentag ausgeschlossen werden, unterstrich Aus der Au mit Blick auf die Einladung einer Vertreterin der "Christen in der AfD". "Wir wollen nicht über, sondern mit den Menschen reden", sagte die Hochschullehrerin. Sie selbst trete menschenverachtenden Aussagen der AfD klar entgegen. "Aber es ist ja auch so, dass mitten in unseren Gemeinden Christinnen und Christen rechtspopulistischen Überzeugungen zuneigen", gab die Theologin zu bedenken. Ängste um Besitz und um die bisherigen Zustände müssten ernst genommen werden. Das sei "etwas anderes als die Angst zu instrumentalisieren und Hass und Ressentiments zu schüren, so wie es die AfD tut. Das ist mit christlichen Werten nicht vereinbar."

Für den 28. Mai rechnet die Kirchentagspräsidentin mit rund 200.000 Teilnehmern beim abschließenden Festgottesdienst in Wittenberg. "Es ist der Schlussgottesdienst des Kirchentages, aber zugleich der Festgottesdienst des Reformationssommers im 500. Jubiläumsjahr", sagte Christina Aus der Au. In der Lutherstadt werden sowohl die Teilnehmer des Berliner Kirchentags als auch die Besucher von sechs regionalen "Kirchentagen auf dem Weg" in Mitteldeutschland erwartet.

Nach dem Terroranschlag im Dezember in Berlin wird das Thema Sicherheit eine stärkere Rolle spielen als noch zwei Jahre zuvor beim Kirchentag in Stuttgart. Es werde zum Beispiel Gepäckkontrollen geben, sagte Aus der Au: "Aber auf der anderen Seite wollen wir Kirchentag bleiben mit der Offenheit, Spontaneität und Fröhlichkeit, die uns auszeichnet."

Ein großes Thema wird für den Kirchentag die Aufnahme und Integration der nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge sein, aber auch das Gedenken an die auf der Flucht umgekommenen Menschen. "Am Freitag des Kirchentags um zwölf Uhr machen wir eine Schweigeminute", kündigte die Kirchentagspräsidentin an: "Wir wollen in dieser Minute nicht wohlfeile Lösungen anbieten oder Parolen vortragen, sondern einmal alles Reden unterbrechen. Und dieser Toten gedenken und trauern."