Kirchen rufen zu Hoffnung trotz Terror auf

In Oster-Gottesdienste an Syrien und Anschläge gegen Kopten erinnert
Ostern steht in christlicher Sicht für das Leben: So fordern die evangelische, katholische und orthodoxe Kirche an diesem Feiertag einen versöhnlichen Neuanfang in Syrien und rufen zu Furchtlosigkeit gegenüber dem Terrorismus auf.

Angesichts von Terroranschlägen und des brutalen Bürgerkriegs in Syrien haben die Kirchen an Ostern zu Hoffnung und Neubeginn aufgerufen. Das Fest der Auferstehung Jesu Christi sei die "Chance für einen Neubeginn", sagte Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge. Wer davon höre, fange neu an zu vertrauen, Liebe zu üben und Gewalt und Hass zu überwinden. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx forderte einen Waffenstillstand in Syrien und Widerstand gegen Terroristen, die wie in Ägypten auch versuchten, Religionen gegeneinander aufzuhetzen.

Ostern sei "ein Aufstand Gottes gegen alle Mächte der Gewalt, ein Aufstand gegen den Tod", sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz im Interview der Woche des Deutschlandfunks, das am Ostersonntag gesendet wurde. Daher müsse angesichts des weltweiten Terrors niemand verzweifeln. Wenn man resigniere, hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht. An die Großmächte appellierte er, die Konfliktparteien in Syrien "an einen Tisch zu zwingen". Zu Verhandlungen gebe es keine Alternative.

"Wir bleiben fest in unserem Glauben"

Der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, rief dazu auf, auf die Terroranschläge in Ägypten nicht mit Hass zu reagieren. Die Anschläge sollten Aggression, Angst und Hass säen, sagte Damian in seiner am Sonntag in Höxter veröffentlichten Osterbotschaft: "Doch wir bleiben fest in unserem Glauben, in unserer Liebe und in unserer Hoffnung." Christen müssten ihre Welt vor Gewalt und Zerstörung bewahren.

Der Koptenbischof rief zum Gebet für die bedrohten Christen in Ägypten auf. Gebetet werden solle aber auch für die Gewalttäter, "dass ihre Herzen das Böse erkennen und sich zum Guten wenden", sagte Damian. Bei zwei Anschlägen auf koptische Kirchen waren am Palmsonntag in Ägypten 46 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden.

Die Welt brauchen nichts nötiger als das Zeugnis der Auferstehung, "da sie so sehr vom Tod gezeichnet ist und von dem, was zum Tod führt", sagte Erzbischof Rainer Maria Woelki in seiner Predigt zur Osternacht im Kölner Dom: "Immer noch werden Menschen, ja Völker ans Kreuz geschlagen, auch wenn dieses Kreuz heute eine andere Gestalt hat als damals auf Golgatha." Woelki erinnerte an die Menschen in Syrien, Afghanistan und Südsudan sowie auf die Flüchtlinge an den Küsten Nordafrikas.ti

Auferstehung Christi sprengt menschliche Maßstäbe

Der württembergische evangelische Bischof Frank Otfried July hob in seiner Osterpredigt in Neuenbürg bei Pforzheim hervor, die Auferstehung Christi von den Toten sprenge menschliche Maßstäbe. Die Oster-Erfahrung bedeute, sich von Christus die Furcht nehmen und zum "Spurenleser der Hoffnung" machen zu lassen.

Die Hoffnung nicht aufzugeben, mahnte auch der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad in seiner Predigt in der Speyerer Gedächtniskirche. Der christliche Glaube an Gottes Liebe stemme sich gegen den Schrecken von Terror, Tod und Gewalt. Der Terror in Europa wolle das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen zerstören. Dem "Bann der Angst" dürfe sich die Gesellschaft nicht hingeben.

Ostern ist das älteste und wichtigste Fest der Christenheit. Es erinnert an die Mitte des christlichen Glaubens, die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Das Osterfest steht daher für den Sieg des Lebens über den Tod.