Frühlingsgrüße

Manchmal sind es kleine, feine Zeilen aus der Bibel, die daran erinnern können, wie schön und kostbar die Schöpfung doch ist.

Im Briefkasten: eine Postkarte. Frühlingsgrüße von einer Freundin aus der Ferne. Das mag ich selbst so gerne, und deswegen schreibe ich Karte um Karte, verschicke  Blütenbilder und Sä(e)tzlinge. Worte, die vom Frühling erzählen. Ich finde eigene und leih' mir welche von anderen. Denn viele vor mir fühlten sich ebenfalls durch diese Jahreszeit inspiriert und taten ihre Freude über all das Werden und Wachsen der Welt kund.

Da ist zum Beispiel Rose Ausländer und ihr Vertrauen auf blühende Wunder. Und natürlich Eduard Mörike, der vom blauen Band des Frühlings schwärmt. Außerdem Heinrich Heine, der unter Blumen wandelt und selber mit erblüht. Und auch in der Guten-Nachricht-Bibel finde ich Worte, die vom Wechsel der Jahreszeiten erzählen.  Frühlingsworte, die in dieser Übersetzung so sehr nach Heute klingen, dass ich kaum glauben kann, dass ihr Ursprung eigentlich weit zurückliegt. Mit meinem Lieblingsfüller schreibe ich aufs Papier: Mach schnell, mein Liebes! Komm heraus, geh mit! Der Winter ist vorbei mit seinem Regen. Es grünt und blüht, so weit das Auge reicht. Im ganzen Land hört man die Vögel singen; nun ist die Zeit der Lieder wieder da! (Hoheslied 2, 10-12)

Ich leih' mir diese Worte aus dem Hohelied. Aus dem Lied der Lieder, im Buch der Bücher. Eine Hymne auf das Leben. Eine Einladung. Eine Liebeserklärung. Ich schreibe sie auf, um sie weiter zu verschicken. An alle, die verliebt sind, ins Leben. Ich teile mit ihnen die Erinnerung: Die Geschichte unserer Erde reicht weit zurück und ist doch noch nicht zu Ende erzählt. Helfen wir mit, dass diese Worte grün und gültig bleiben. Ich lese sie wie Grüße von Gott. Ins Leben geschrieben. Gestern, heute und morgen. Mir und dir. "Komm heraus, geh mit!"