Der da kommt

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Foto: Matthias Albrecht

Die Wiederkunft Christi ist eine wunderbar tröstliche Verheißung. Auch homosexuellen-, bisexuellen-, intersexuellen-, transgeschlechtlichen- und queeren Menschen, sowie deren Unterstützer_innen gibt sie Anlass zur Hoffnung.

Der Advent geht zu Ende. Für uns Christ_innen ist dies eine ganz besondere Zeit. Anders als in der säkularisierten Welt markiert die Adventszeit für uns nicht einfach das opulente Vorspiel zu einem noch opulenteren Weihnachtsfest. Advent, das bedeutet Ankunft des Herrn. Wir gedenken in diesen Tagen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Und dabei geht es um viel mehr als einen Blick in die biblisch bezeugte Vergangenheit, in der der Christus zwar verheißen, aber noch nicht erschienen war. Advent, das ist Besinnung auf die gegenwärtige Verheißung, die uns heute gilt und die da lautet: Christus wird wiederkommen. Für mich ist das eine der tröstlichsten Botschaften unseres Glaubens.

In den letzten Wochen hat mich der Tod von Tyrone Unsworth tief erschüttert. Der gerade einmal dreizehnjährige Jugendliche konnte die anti-homosexuellen Beleidigungen seiner Mitschüler_innen nicht mehr ertragen und nahm sich deshalb im vergangenen Monat das Leben. Tyrone steht exemplarisch für viele junge LGBTIQ-Menschen, die täglich symbolische Gewalt, durch Worte, Blicke, sowie Gesten erleiden und dieser nicht mehr standhalten. Andern Orts werden Homosexuelle nicht nur durch Worte in den Tod getrieben, sondern gar in den Tod gestoßen. So brüstete sich etwa die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in diesem Jahr immer wieder mit Nachrichten von solchen Ermordungen. Es ist für mich kaum ertragbar, solche Berichte zu hören. In mir breitet sich ein Gefühl der Ohnmacht aus. Mir wird klar, wie begrenzt doch all meine Bemühungen sind, für eine gerechtere Welt zu kämpfen. In solchen Momenten hilft es mir mich zu erinnern, dass das was passiert längst noch nicht das Ende der Geschichte ist. Ich mache mir bewusst, dass Jesus wiederkommen wird. Der Heiland richtet dann eine neue Herrschaft auf, eine Herrschaft unter der denen, die so unendliches Leid getragen haben, Gerechtigkeit widerfahren wird.

Aber ist das schon alles? Ist die Hoffnung auf die Wiederkunft Christi ein Licht, das fern am Horizont leuchtet, und das uns ein kraftvoller Trost sein kann, doch mehr denn eben auch nicht? Gilt es auszuharren bis sein Reich anbricht? Nein, ich glaube nicht, dass wir einfach nur ausharren müssen. Ja, wir erwarten die Vollendung dieser Welt. Aber das Reich Gottes, das hat längst begonnen. Wir brauchen nicht an einen fernen Horizont zu blicken, um das Licht der Hoffnung sehen zu können, denn es leuchtet bereits hier in unserer Welt auf. Immer mehr deutsche Bundesländer verabschieden dieser Tage Lehrpläne, die nicht-heterosexuelle und nicht-cisgeschlechtliche Existenzweisen berücksichtigen. Vier Evangelische Landeskirchen trauen heute Lesben und Schwule. Beim katholischen Weltjugendtag gab es einen sicheren Ort (Safe-Space) für LGBTIQ-Jugendliche. Die UN hat jüngst einen offiziellen Beobachter für LGBTIQ-Rechte eingesetzt. All das sind für mich Zeichen, dass das Reich Gottes längst angebrochen ist.

Doch, weshalb leuchtet Gottes Wirken nur mitten in dem Leid auf, warum beendet er das Leid nicht endlich? Warum kommt Jesus nicht jetzt in diesem Moment wieder? Die Antwort hierauf werden wir wohl niemals erfahren. Wir können nur Gottes Ratschluss vertrauen. Gott weiß, was er tut und auch wann er es tut. Er ist zur rechten Zeit in Christus Mensch geworden und er wird auch zur rechten Zeit wiederkommen. Bis dahin kann uns das Aufscheinen seines Reiches, durch die Zeichen und Wunder, die er in die Welt sendet, in unserer Hoffnung auf seine Wiederkehr stärken. Und wir bedürfen dieser Stärkung. Der Fürst dieser Welt ist täglich bemüht, uns unsere Gewissheit auf Christi Wiederkunft zu nehmen. Seine Schatten wollen uns das Licht rauben. Eine der schlimmsten Varianten davon ist es wohl, wenn Geschwister in Christus einem Anderen die Gewissheit auf das Heil Christi abzusprechen versuchen, weil er sein Geschlecht und seine Liebe auf eine Art lebt, die ihnen nicht passt. Aber auch Kugeln, wie sie sich im Nachtclub PULSE in Gottes Geschöpfe gebohrt haben, wollen uns das Licht der Hoffnung rauben. Darum bete ich:

"Jesus, danke für das Licht der Hoffnung, das Du in unsere Welt gebracht hast. Schenke uns die weihnachtliche Freude daran. Und lasse nicht zu, dass uns die Hoffnung auf Deine Wiederkunft genommen wird. Zieh uns immer weiter und immer wieder zu Dir. Und überstrahle Du das Dunkel dieser Welt"

AMEN