Ihre Fragen, unsere Antworten - Folge 42: Statuen verhüllen?

In Rom hat die Regierung nackte Statuen verhüllt, weil Irans Präsident Rohani zu Besuch war. Eine unsinnige Idee.

Liebe evangelisch.de-Nutzerinnen und -Nutzer,

in Rom wurden zwei nackte antike Statuen verhüllt, weil Irans Präsident Rohani zu Besuch war. Jetzt will es keiner gewesen sein. Toleranzprobleme lassen sich aber nicht dadurch beheben, dass man sie einfach unter großen Pappkartons versteckt. Wer zu Besuch kommt, kann nicht erwarten, dass sich die Welt in seinem Sinne um ihn herum verbiegt. Selbst wenn er ein Staatspräsident ist.

Für Einwanderer gilt das natürlich auch. Anders als ein Staatspräsident, der zu Besuch kommt, bringen die nicht einmal viel Geld mit, um das sich die besuchte Regierung bemühen will.

Oder vielleicht doch? Anders ist es kaum zu erklären, dass die Regierungskoalition mit ihrem jüngsten Kompromiss Asylbewerber dazu zwingen will, ihre Integrationskurse zu bezahlen – zehn Euro monatlich, das sollte ja jeder übrig haben.

Wie auch immer: Wer in ein Land einwandert, muss sich erstmal daran gewöhnen, wie die Dinge dort laufen. Wenn du in Rom bist, verhalte dich wie die Römer – das alte Sprichwort gilt noch immer. (Außer wenn es um das Verstecken von Statuen geht.)

Aber: Selbst der sorgfältigste Tourist, der sich durch den Online-Sprachkurs Italienisch gequält hat, fällt den Römern als ein Fremder auf. Er bringt immer auch ein Stück seiner eigenen Herkunft mit. Auch unsere Gesellschaft verändert sich, wenn viele Menschen hierher kommen, die nicht das Glück hatten, von klein auf in Deutschland sozialisiert zu werden.

Die verhüllten Statuen in Rom zeigen uns, dass eine unbedingte Anpassung auf Kosten der eigenen Kultur und Werte Unsinn ist. Es gibt unveräußerliche Rechte und Grundwerte, die auf jeden Fall erhalten werden müssen. Menschenwürde, freie Meinungsäußerung diesseits der Volksverhetzung und antike Statuen in der Öffentlichkeit gehören definitiv dazu. Das muss auch Präsident Rohani aushalten. Das müssen auch Einwanderer in Deutschland lernen. (Und wir können davon ausgehen, dass die meisten der Menschen, die jetzt hierher kommen, auch bleiben wollen und werden.)

Man bringt es ihnen aber nicht mit Handgranaten bei, so wie es mindestens ein Vollidiot in dieser Woche in Villingen-Schwenningen versucht hat. Ich frage mich, wie weit diese Gewalt noch eskalieren wird. Ich fürchte: zu weit. Pappkartons auf Statuen werden dann lächerliche Lappalien sein.

Ich wünsche euch und Ihnen trotzdem ein gesegnetes Wochenende!


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