Glaube und Wissenschaft im Herbst

Langsam aber sicher geht die Sommerpause überall zu Ende. Eine gute Gelegenheit, einen kleinen Blick in den Veranstaltungskalender der kommenden Monate zu werfen - er hat einiges zu bieten zum Thema.

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist die Liste von interdisziplinären Veranstaltungen, die Naturwissenschaft und Theologie ins Gespräch bringen, außerordentlich umfangreich. Den Anfang macht vom 20. bis 23 September eine wissenschaftliche Konferenz der International Society for Science & Religion in der Evangelischen Akademie Loccum zum Thema "Human Nature and Embodied Cognition" - es geht also um eine aktuelle Perspektive auf das alte Leib-Seele-Problem im Angesicht der Tatsache, dass Intelligenz und geistige Vorgänge heute ohne einen zugrundeliegenden physischen Apparat (das Gehirn) gar nicht mehr denkbar sind. Konferenzsprache ist hier Englisch, weitere Informationen gibt es auf www.theologie-naturwissenschaften.de.

Nur eine Woche später, vom 28. bis 30.9., trifft sich das (deutschsprachige) Religion and Science Network Germany, kurz RSNG, zu seinem sogenannten Jahreskongress in Stuttgart (auch wenn die letzte derartige Veranstaltung offenbar drei Jahre zurückliegt). Thema hier ist "Methode und Reichweite der Naturwissenschaften", eingeladen sind neben (Nachwuchs-)Wissenschaftlern auch ausdrücklich Lehrer. Auch ich plane, da zu sein - zu dieser Veranstaltung wird es also im Nachgang etwas zu lesen geben hier im Blog.

Vom 25. bis 29. Oktober findet dann in Heidelberg eine große internationale akademische Konferenz zu Vergangenheit und Zukunft des Dialogs Naturwissenschaften - Religion statt: "The Science and Religion Dialogue: Past and Future" Während ein Großteil des Programms eingeladenen Forschern vorbehalten ist, ist die Eröffnungsveranstaltung mit Vorlesungen von Hans Joas (Freiburg), Martin Nowak (Harvard) und John Polkinghorne (Cambridge) öffentlich - lediglich um Anmeldung wird gebeten.

Auf Deutsch und für alle Interessenten offen ist die fast parallel stattfindende Tagung der Karl-Heim-Gesellschaft vom 26. bis 28. Oktober im Stift in Bad Urach (Württemberg) mit dem Thema "Universum aus dem Nichts? Die Kosmologie und die Frage nach Gott" (Tagungsflyer als pdf).

Den Schluss der langen Liste einschlägiger Tagungen im Herbst macht die Evangelische Akademie im Rheinland mit dem Studientag "Hat die Welt eine Ordnung? Zur Rolle der Gesetze in den Wissenschaften" am 17. November - das genauere Programm ist dort allerdings momentan noch nicht verfügbar.

Danach folgt allerdings noch ein spannendes Ereignis im englischsprachigen Raum. Und zwar finden an vier britischen Universitäten immer wieder die sogenannten Gifford Lectures statt, Vorlesungsreihen zu Themen der natürlichen Theologie, also der Frage, inwieweit lässt die uns umgebenden Welt und Natur Rückschlüsse auf Gott zu. In dieser Vorlesungsreihe sprechen immer wieder mal namhafte Vertreter des Dialogs Naturwissenschaft und Theologie. Anfang Dezember wird der bisherige Leiter des von mir hier schon öfter beworbenen Faraday Institute for Science and Religion aus Cambridge, der Biologe Denis Alexander, vier Vorlesungen zum Thema "Genes, Determinism and God" halten. In der Ankündigung heißt es:

"Die Vorlesungen werden sich damit beschäftigen, wie die essenzialistische Sprache von 'Genen' und 'Umwelt', oder 'Natur' und 'Prägung/sozialem Umfeld' durch andere Modelle menschlicher Entwicklung abgelöst werden müssen, die den gegenwärtigen biologischen Erkenntnissen besser gerecht werden. Dazu vertreten die Vorlesungen den Standpunkt dass diese neuen Erkenntnisse zum Zustandekommen des menschlichen Personseins tatsächlich besser mit der Vorstellung zusammenpassen, dass der Mensch zum Bilde Gottes geschaffen ist, als das vorherige biologische Verständnis."

Ich gehe davon aus, dass diese Vorträge zumindest nachträglich als Aufzeichnung online gestellt werden und werde zu gegebener Zeit wieder darüber berichten!

Schließlich noch eine Empfehlung für eine kontinuierlich gepflegte Datenbank für interdisziplinäre Veranstaltungen bei forum-grenzfragen.de, die in irgendeiner Weise mit Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie zu tun haben - die also noch etwas breiter aufgestellt ist als meine Auswahl hier. Dort gibt es etwa auch Hinweise auf Einzelvorträge, Veranstaltungen zu ethisch-medizinischen Themen etc. Eine zumindest für Hauptstädter sehr interessante Reihe von Abendforen sei daraus noch hervorgehoben: "Gott glauben? Religion und Naturwissenschaft im 21. Jahrhundert" heißt es ab 25. Oktober vier Mal in der französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt - verantwortlich ist die Evangelische Akademie zu Berlin, wo es auch ein paar nähere Infos gibt.

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