Gibt es intelligentes extraterrestrisches Leben? (1)

Gibt es Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die Leben ermöglichen? Neue wissenschaftliche Schätzungen sagen: Wahrscheinlich sogar sehr viele. Wird die Menschheit also irgendwann in Kontakt zu E.T. treten?

Spricht man über das Universum, geht es schnell um Zahlen, die selbst Euro-Rettungsschirme in den Schatten stellen. Rund 300 Milliarden Sterne dürfte unsere Galaxis haben, die Milchstraße (da kommen die Rettungs-Milliarden noch in ähnliche Größeordnungen). Im Universum gibt es aber nicht nur unsere Milchstraße: Astronomen gehen von etwa 100 Milliarden Galaxien aus, jede davon mit durchschnittlich vielleicht 200 Milliarden Sternen. Mathematisch lässt sich schnell hinschreiben, wie viel Sterne das summa summarum sind, nämlich 2 mal 10 hoch 22 – intuitiv erfassen oder mit irgendeinem unserer Sinnes-Erfahrung zugänglichen Bereich vergleichen lassen sich solche Zahlen nicht mehr.

Klar ist immerhin: Es sind sehr sehr sehr viele. Und wenn auch nur ein kleiner Bruchteil davon unserer Sonne ähnlich ist, und davon nur ein Bruchteil von Planeten umkreist wird, die der Erde ähneln, wären das immer noch sehr viele Orte, die aus wissenschaftlicher Sicht ähnliche Voraussetzungen für die Entstehung von Leben bieten wie unser Heimatplanet. Zumindest für Science-Fiction-Fans ist es deshalb ja auch längst nur noch eine Frage der Zeit, bis fremde Intelligenzen aus den Tiefen des Alls Kontakt zu uns aufnehmen (wenn sie nicht schon längst gut getarnt unter uns leben).

Christentum und extraterrestrisches Leben: kompatibel?

Aus christlicher Sicht scheint das dagegen erst einmal schwer vorstellbar: Wenn Gott alles Leben geschaffen hat, wie genau auch immer das abgelaufen sein mag, und den Menschen sogar "zu seinem Bilde" (1. Mose 1,27); wenn Gott in Jesus Christus zu uns Menschen auf die Erde gekommen ist, um sein Wesen zu offenbaren und uns ewige Gemeinschaft mit ihm zu ermöglichen – ist dann nicht klar, dass dieser Planet ein ganz spezieller Ort im weiten Universum ist, und sehr wahrscheinlich auch der einzige mit intelligentem Leben?

Da es sich um ein komplexes Thema handelt, wird es dazu eine kleine Artikelserie geben. In den ersten (vermutlich) drei Beiträgen soll es, auch aus aktuellem Anlass, um die Frage gehen, wie wahrscheinlich intelligentes extraterrestrisches Leben aus wissenschaftlicher Sicht ist. Später kommen dann auch die theologischen Aspekte des Themas zu ihrem Recht.

Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich die Frage nach intelligentem Leben außerhalb des Planeten Erde in eine einfache mathematische Gleichung pressen, die sogenannte Drake-Gleichung. Sie drückt die Anzahl intelligenter Zivilisationen, die potenziell mit uns in Kontakt treten werden, in Abhängigkeit einer Reihe von Faktoren aus. Im Wesentlichen fließen die Zahl der Planeten mit lebensfreundlichen Bedingungen, die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung intelligenten Lebens und die mittlere Lebensdauer technischer Zivilisationen ein.

Formel mit vielen Unbekannten

Das Problem der über 50 Jahre alten Drake-Formel: Zwar lässt sie sich als simples Produkt hinschreiben, nur leider sind die wesentlichen Faktoren bisher kaum bekannt. Zu zwei der entscheidenden Faktoren gab es in jüngster Zeit aber neue wissenschaftliche Ergebnisse. So haben Forscher aus Frankreich im Fachmagazin "Nature" eine neue Abschätzung veröffentlicht, wie viele Planeten es in unserer Galaxis geben dürfte. Viele bisher veröffentlichte Entdeckungen von Exoplaneten (also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems) stützten sich auf zwei Detektionsmethoden: Entweder verrieten sich die Planeten durch eine kleine Schlingerbewegung, die sie ihrer Sonne aufzwangen, oder durch die leichte Verdunkelung, während sie zwischen ihrer Sonne und der Erde vorbeizogen. Beide Methoden können nur Planeten nachweisen, die sehr viel größer als die Erde und ihrer Sonne sehr nahe sind – schon deshalb können so keine Planeten gefunden werden, auf denen Leben (so wie wir es kennen) möglich wäre. Die neue Studie dagegen stützt sich auf den Gravitationslinseneffekt, der aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie folgt, und mit dem auch weiter entfernte Planeten aufgespürt werden können – jedenfalls unter bestimmten Umständen.

Die Forscher werteten nun Beobachtungsdaten aus sechs Jahren aus, führten eine komplizierte Hochrechnung aus und kommen zu dem Schluss, dass jeder Stern in der Milchstraße im Schnitt mindestens einen Planeten in einem Abstand hat, der halb bis zehnmal so groß ist wie der Abstand Erde–Sonne. Zwar kann auch die Gravitationslinsen-Methode nur Planeten aufspüren, die um einiges schwerer als die Erde sind (mindestens die fünffache Masse), und die Hochrechnung führt zu gewaltigen Fehlerbalken (sogenannte Super-Erden von fünf- bis zehnfacher Erdmasse finden sich demnach bei 25 bis 97 Prozent aller Sterne, genauer ging es nicht). Trotzdem kann daraus mit einigem Recht geschlossen werden, dass unser Sonnensystem mit seiner Planetenkonfiguration kosmisch gesehen keine Ausnahme, sondern eher die Regel darstellt. Man darf also annehmen, dass die Zahl der Planeten mit prinzipiell lebensfreundlichen Bedingungen zumindest in unserer Galaxis groß ist.

Bedeuten viele geeignete Planeten aber aus wissenschaftlicher Sicht in jedem Falle, dass dort auch Leben entstanden ist? Darum wird es im nächsten Beitrag dieser kleinen Serie gehen.

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