Kampf der Giganten

Einmal Weltmeister sein... Was mir in Disziplinen wie Geräteturnen, 100-Meter-Lauf oder Springreiten mangels Talent und Ehrgeiz wohl für immer versagt bleiben wird, könnte in unserem Garten noch in diesem Sommer gelingen –mit Hilfe eines russischen Riesens. Nein, ich meine keinen Schwergewichtsboxer aus Moskau, keinen Wrestling-Star mit furchterregendem Gesichtsausdruck und auch keinen Wladiwostoker, der es aufgrund seiner Körperlänge ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat. Die würden sich in unserem Blumenbeet wahrscheinlich nicht so recht wohlfühlen.

Hoffentlich tun das aber die Sonnenblumen der Sorte "Russian Giant", die ich vor einigen Tagen ausgesät habe. Wenn alles gut geht, verhelfen sie mir zum Titel "World Record holder for growing the tallest sunflower" (inklusive Urkunde), sowie einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Denn die gelben Giganten wachsen laut BBC, die den Lesern ihres Gartenmagazins im letzten Monat ein Päckchen der Samen umsonst obendrein gab, derart in den Himmel, dass "die Nachbarn nach Luft ringen und Kinder hintenüberfallen, wenn sie zu ihnen hinaufschauen".

Nun möchte ich natürlich kein Kind rücklings auf unserem Rasen liegend vorfinden, und auch den Nachbarn wünsche ich weiterhin gute Gesundheit und einen regelmäßigen Atem. Aber einen Versuch wäre es doch wert. Schließlich wurde, wie das BBC-Magazin etwas bedauernd feststellt, der Weltmeistertitel zum letzten Mal bereits 1976 auf die Insel geholt. Momentaner Rekordhalter ist ein Deutscher: Lufthansa-Steward Hans-Peter Schiffer aus Kaarst am Niederrhein hat es 2009 geschafft, eine – Achtung, bitte festhalten – sage und schreibe 8,03 Meter große Sonnenblume zu ziehen.

Davon sind meine Helianthus-Babys noch exakt 7,98 Meter entfernt, aber alle Riesen haben schließlich mal klein angefangen. Obwohl, wenn ich es mir genau überlege, erscheinen mir Blumen, die unser Haus überragen, doch nicht so wahnsinnig erstrebenswert. Um die Blüten bewundern zu können, bräuchten wir vermutlich einen Heißluftballon oder ein ausgedientes Feuerwehrauto mit Drehleiter, und im Blumenbeet müsste ein Gerüst als Stütze für die Pflanzen errichtet werden.

Vielleicht hätte ich es doch eher mit dem Tütchen "American Giant" versuchen sollen, das ich in einer Wühlkiste im Schuppen gefunden habe – die Amis bringen es lediglich auf 3 Meter Höhe. Oder mit der größenmäßig beschränkten Helianthus debilis. Auf keinen Fall kommen mir aber "Titan" und "King Kong" ins Beet!

Wenn Sie Sonnenblumen-Weltmeister werden möchten, braucht es:

eine E-Mail an , in der Sie Ihre Teilnahme kundtun,

Samen einer großwüchsigen Sorte wie "Russian Giant", "King Kong", "Titan" oder "Gigantor",

einen sonnigen, windgeschützten Platz im Garten, der idealerweise bereits im Vorjahr mit Kompost vorbereitet wurde. Besonders gut geeignet sind ph-neutrale Böden,

ein 1x1 Meter großes Pflanzloch, aufgefüllt mit hausgemachtem Kompost (der momentane Rekordhalter verfütterte mehrere Hundert Kilo Kartoffeln an seine Weltmeisterin!),

Bambusstöcke als Stützen,

tägliches Wässern, vorzugsweise abends und am besten mit Regenwasser. Das Wasser sollte von der Sonne angewärmt sein, zu kaltes Wasser kann den Wuchs verlangsamen. Achtung: Ab 3-4 Metern Höhe braucht der kleine Liebling 20-30 Liter – täglich,

ab einer Größe von 50 cm alle ein bis zwei Wochen etwas Flüssigdünger, z.B. aus Algen,

ein Gerüst zur Stütze,

die Messung im Spätsommer samt Foto, beides mit Adresse und Telefonnummer wieder an die BBC mailen (falls Sie auf mehr als 8 Meter Größe kommen).

Sonnenblumen eigenen sich übrigens auch gut, um Kinder fürs Gärtnern zu begeistern: Sie wachsen schnell und zuverlässig, auch in Töpfen, und sehen hübsch aus. Und falls es für das Guinness-Buch nicht ganz reichen sollte, freuen sich zumindest die Vögel ganz bestimmt über Ihren Rekordversuch.