Nervennahrung

Naturnahes Gärtnern erfordert manchmal gute Nerven. Nicht nur, dass wir wildlife gardener den geflügelten, bepelzten und stacheligen Gartenbesuchern zuliebe auf den Einsatz von chemischen Unkrautvertilgungsmitteln und Schädlingsbekämpfern verzichten. Nein, wenn wir es Ernst meinen damit, den Vögeln, Fröschen, Bienen, Schmetterlingen und Igeln ein Zuhause geben zu wollen, müssen wir auch für deren Unterkunft und Verpflegung sorgen.

Und so tolerieren wir in einer Ecke des Gartens, dass das Gras kniehoch wächst (Lebensraum und Deckung für allerlei Kleingetier), wir ignorieren einige Brennnesseln (Nahrung für Schmetterlingslarven) und einen vor sich hinrottenden Holzstapel (Schlafzimmer für den Igel). Zur wirklichen Herausforderung wird das Ganze aber, wenn die anderen Lieblinge – die Pflanzen – leiden. Wenn die neuen Triebe der Rosen von winzigen Craesus-Larven weggemampft werden. Oder die Clematis-Stängel vom Blattläusen bedeckt sind. Oder die Schnecken über Nacht die Funkien verputzt haben.

Dann heißt es tief durchatmen und darauf vertrauen, dass die Natur ohne unser Eingreifen die Balance besser wieder herstellt als wenn wir zur Spraydose oder anderen Hilfsmitteln greifen. Denn alle diese von uns als Schädlinge betrachteten Lebewesen sind nun mal die Nahrung der willkommeneren Gäste – Marienkäfer brauchen Läuse, Frösche und Igel mögen Schnecken und Meisen, Rotkehlchen und Amseln können ohne regelmäßige Zufuhr von Raupen nicht überleben.

Wenn Sie also in diesen Tagen ‚Ungeziefer’ in ihrem Garten antreffen, seien Sie tolerant – in den allermeisten Fällen nehmen sich die tierischen Gartenbewohner des Problems an. Und falls eine Pflanze wirklich nicht blühen oder wachsen sollte, zeigen Sie sich großzügig und betrachten das als Ihren Beitrag zum Frühstückstisch von Vögeln, Fröschen und Igeln. Deren Anwesenheit ist ja bekanntlich gut für die Nerven – die man wiederum fürs naturnahe Gärtnern gut gebrauchen kann (siehe oben).