Die Illusion eines Gesprächspartners

Facebook hat auf seiner Entwickler-Konferenz einige verrückte neue Dinge vorgestellt, die Tom Kummer helfen könnten, aber auch anderen Journalisten. Am Rande ging es dabei um ein aktuelles Thema: Was kann der Konzern dagegen unternehmen, dass Straftaten live gestreamt werden? Das Problem lässt sich wohl nicht auf einem Bierdeckel lösen. Aber zumindest gegen die Hasskommentare haben Facebook-Aktivisten ein sehr simples Mittel gefunden. Und das ist anscheinend gar nicht so schlecht.

Am Sonntag kündigte ein Mann aus Cleveland in einem Facebook-Video an, er werde jemanden umbringen. Kurz darauf erschoss er auf der Straße den Rentner Robert Godwin Sr., den er noch nie zuvor gesehen hatte. Die Tat übertrug er live bei Facebook. Das Video hatte auch danach noch Zeit, sich bei Facebook zu verbreiten. Es dauerte zwei Stunden, bis es gelöscht wurde. Bei Entwickler-Konferenz F8 in dieser Woche in San José sprach der Facebook-Chef den Mord selbst an. Er sagte: "Wir haben viel zu tun. Und wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um zu verhindern, dass Tragödien wie diese passieren.

"Diese Worte folgen nicht der Realität, aber das ist weniger Zuckerbergs Schuld, denn sie folgen dem öffentlichen Druck. Weil vollkommen klar ist, dass Facebook Morde nicht verhindern kann, kann man unter ‚Tragödien wie diese' hier eben nicht den Mord selbst verstehen. Sondern die Veröffentlichung des Mordes", 

schreibt Sascha Lobo in seiner Spiegel-Online-Kolumne, und mir fällt gerade selbst auf, dass mein Altpapier schon am vergangenen Donnerstag mit seinem Text begann. Aber es geht leider nicht anders, denn es ist einer der interessantesten Beiträge heute, und ich verspreche schon mal: Ich habe noch weitere Quellen. 

Doch zurück zur eigentlichen Frage: Ist es eine Tragödie, wenn Videos wie dieses bei Facebook zu sehen sind?

"Es könnte sich sogar immer noch herausstellen, dass die Veröffentlichung des Videos des Cleveland-Mörders eine wichtige Funktion erfüllt. Wenn sich nämlich herausstellen würde, dass der Mann schwerste psychische Probleme hatte, immer wieder versuchte, Hilfe zu bekommen, an den Strukturen des Gesundheitssystems scheiterte und schließlich zum Mörder wurde."

Das ist nur eine Hypothese. Sie zeigt allerdings eines: Friedrich Merz würde diese Frage wohl nicht auf einem Bierdeckel lösen können. Und ganz unabhängig davon, ob es nun gut oder schlecht ist, wenn solche Videos ihren Weg in die Öffentlichkeit finden, ist es nach allem, was wir über Menschen wissen, vor allem unvermeidbar, solange es möglich ist. Das ist erst mal kein Grund zur Verzweiflung, aber eine gute Gelegenheit, sich Gedanken über die eigene Haltung zu machen. 

Ein letztes Mal Sascha Lobo: 

"Der US-Raketenschlag in Syrien soll laut Trumps Sohn zustande gekommen sein, weil ‚er tief bewegt war von diesen Bildern der [mit Giftgas ermordeten] Kinder'. (…) darin - nicht das Leiden, sondern die Abbildung des Leidens führen zur Aktion - spiegelt sich unsere eigene, bigotte Manipulierbarkeit."

Man ahnt mittlerweile, dass ein Algorithmus so seine Probleme damit haben könnte, solche Entscheidungen zu treffen. Und ein allerletztes Mal Lobo: 

"Nicht Facebook, sondern wir, die Zivilgesellschaft müssen abwägen, ob und bei welchen Gräueln der Welt die Nichtveröffentlichung schädlicher ist als die Veröffentlichung." 

In Bezug auf Facebook steht hinter all dem vor allem ein Identitätsproblem: 

"But Facebook still hasn't come to terms with what it really is — a media company where people get their news and which, especially because of the year-old Facebook Live, generates news content", 

schreibt Margaret Sullivan in ihrer Washington-Post-Kolumne. Aber die Gründe dafür, dass Facebook lieber kein Medien-Unternehmen wäre, liegen auf der Hand.  

"In recent months, Facebook has gone out of its way to avoid acknowledging the obvious: It is a media company, not simply a platform for its billion-plus users to share their lives with family and friends. But there are, of course, business reasons not to accept that. As soon as Facebook acknowledges that it is a publisher and not a platform, it may open itself up to lawsuits that could cut into profits fast."

Dennoch gibt es Argumente, die dafür sprechen würden, sich auf redaktionelle Kontrolle einzulassen. Emily Bell, Journalismus-Professorin an der Universität Columbia, ebenfalls in Margaret Sullivans Kolumne.  

"If Facebook is really interested in the unbiased nature of discourse it would know that totally unmoderated systems favor the authoritarian bully, and suppress free speech rather than enable it. Ask Twitter."

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Tja, so ist es wohl einfach. Man darf die Leute nicht alleine lassen. Dann stellen sie Unsinn an, und das ändert sich auch nicht im Erwachsenen-Alter. Eher wird es noch schlimmer. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das wirklich beruhigend ist, aber Facebook hat sich jetzt zumindest schon mal überlegt, wie sich verhindern lässt, dass es so aussieht, als wären Menschen irgendwo alleine. 

Alex Hern umreißt im Guardian acht Visionen, für die Facebook mitverantwortlich sein könnte. Und ein am Rande erwähntes Feature ist tatsächlich die Möglichkeit, eine eigentlich nicht existente Tasse Kaffee ins Bild zu mogeln, um die Illusion eines Gesprächspartners zu erzeugen. Im Journalismus könnte sich das zum Beispiel für Tom Kummer eignen, der sich während "des Interviews" live aus dem Café in der Redaktion meldet. Aber es gibt sicher noch zahllose andere Einsatzmöglichkeiten. 

Ich vermute, dieses Feature ist hier im Welt-Artikel von Thomas Heuzeroth zu sehen (drittes Bild), der ebenfalls über die Entwickler-Konferenz F8 schreibt, bei der es ja eigentlich nicht um den Mord in Cleveland ging, sondern um die Zukunft — also jene Zukunft, die Mark Zuckerberg sich vorstellt. Und in der spielt Augmented Reality eine ähnlich große Rolle wie Ulrich Tukur in seinen Tatorten

Eine der acht Visionen, die Alex Hern beschreibt, ist: Die Welt bekommt eine weitere Ebenen, die man nur erkennen kann, wenn man mit einer entsprechenden Brille (oder wie auch immer die Geräte dann heißen werden) unterwegs ist. 

"Facebook wants you to share pics of your run with your pace and time superimposed over the top, for instance, and it dreams of a day when you'll be able to leave a review of a restaurant by pinning it to the window." 

Der Restaurant-Besitzer kann den Zettel ohne Brille nicht erkennen, muss sich also nicht ärgern, sondern nur darüber wundern, dass keine Gäste mehr kommen. Unter Umständen kann er sich aber auch darüber freuen, dass die Sprayer aus der Nachbarschaft nicht seine weiße Hauswand besprüht haben, sondern dass auch sie ihre Tags auf Ebenen hinterlassen, die ohne Brille nicht sichtbar ist. Davon kann man sich in diesem Video schon mal einen Eindruck machen

Auf den Journalismus übertragen hieße das: Es würden nicht nur unzählige weitere Ironie-Ebenen entstehen, sondern auch viele mögliche Informationsquellen und Wege, miteinander in Kontakt zu treten - oder diese Ebenen selbst zu erschaffen, zugänglich zu machen und so zum Beispiel nicht nur in einer Reportage zu beschreiben, wie es sich anfühlt, mit einem Wingsuit am Leib von einem Gipfel zu springen, sondern es für jeden erlebbar zu machen, ohne dass der dafür sein Sofa verlassen muss. 

Kleiner Tipp dazu: Am Wochenende habe ich mir im Media-Markt zum ersten Mal eine VR-Brille aufgesetzt und bin mit dem Ferrari gegen eine Mauer gefahren. Seitdem weiß ich, dass die Sekunden vor dem Aufprall sich auch in einem virtuellen Auto anfühlen wie in einem echten (wobei ich das in echt nur aus einem Nissan kenne). Aber probieren Sie das auch mal, falls Sie es nicht längst getan haben. Man bekommt gleich ein anderes Gefühl für Mark Zuckerbergs Gedanken.

Allerdings weiß man nicht, ob man sich auf alles freuen soll, was jetzt angekündigt wird. Bei Zeit.de ist zum Beispiel zu lesen: 

"Facebook will Gedanken in Schrift auf dem Computer umwandeln. Es gehe zum Beispiel um die Möglichkeit, einem Freund eine Textnachricht zu schicken, ohne das Smartphone herauszuholen, sagte Facebook-Managerin Regina Dugan (…). Dugan verwies auf aktuelle Forschungen an der Stanford-Universität. Dort konnte eine gelähmte Frau dank implantierten Elektroden im Gehirn acht Worte pro Minute in den Computer schreiben. Für eine Ausbreitung der Technologie seien Implantate aber nicht geeignet, es müsse sehr empfindliche Sensoren auf der Oberfläche des Kopfs geben. "Solche Technologie existiert heute nicht. Wir werden sie erfinden müssen", sagte Dugan. Bei Facebook arbeite ein Team aus 60 Forschern an dieser Vision."

Falls Facebook also irgendwann kostenlose Mützen verteilen sollte, wäre es klug, sich noch einmal Gedanken darüber machen, ob man diese Mützen auch wirklich tragen möchte. Alle, die sich dafür entscheiden, sollten sich dann aber nicht wundern, wenn sie in der zweiten oder dritten Ebene auf Werbeplakate am Wegesrand stoßen, die zufälligerweise genau das zeigen, woran sie noch vor zehn Sekunden gedacht haben. 

Britta Weddeling hat die Hintergründe für das Handelsblatt etwas ausführlicher erklärt (45 Cent bei Blendle). Und damit kommen wir zurück zum Anfang, denn auch in diesen künstlich geschaffenen Umgebungen gibt es am Ende wieder genau die gleichen Probleme, mit denen wir jetzt schon in unserer dünnen eindimensionalen Wirklichkeit zu kämpfen haben. 

"Auch die Nutzer werden die neuen Möglichkeiten zu schätzen wissen. Und doch werden die Features auch dazu führen, dass die Serie der Missbräuche kaum abreißen wird." 

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Zu den Problemen gehören auch Hass-Kommentare. Sophie Krause hat sich für den Tagesspiegel mit Aktivisten der Facebook-Gruppe #ichbinhier unterhalten, die nicht warten wollen, bis die Behörden so weit sind, sondern selbst als friedliche Räumkommandos durch die Kommentarspalten von Mark Zuckerbergs Orkus streifen und dort etwas sehr Simples machen: widersprechen.

"Hauptsächlich sind wir dort, wo sich die meisten Hassredner treffen", erklärt Brodde. Vor allem "Focus Online" und "N24" seien seiner Ansicht nach stark betroffen. Das Problem sei, dass einige Medien so gut wie keine Kommentare löschen, oder nur viel zu spät, so Brodde. "Solche Auswüchse erhalten Zustimmung und andere Menschen werden darin bestärkt, solche Sprüche ebenfalls loszulassen, weil sie sehen, dass es nicht geahndet wird." Kritiker sehen das Nachrichtenportal "Focus Online", das viel mit reißerischen Überschriften und Clickbaiting arbeitet, als eine Art ‚Bild'-Zeitung des Internets. Mehr als vier Millionen Fans haben alle "Focus"-Seiten auf Facebook nach eigenen Angaben, ein gigantisches Publikum. Viele Beiträge in den "Focus"-Kommentarspalten sind stark rechtslastig."

Bezeichnenderweise waren ja Focus Online genau die, die laut "Hier!" gerufen hatten, als es darum ging, Facebook beim Ausmisten von Fake News zu helfen (Altpapier). Man muss aber dazusagen: Focus Online nennt die Anschuldigungen der Aktivisten "bösartig und absurd". Mein Vorschlag wäre: Machen Sie sich auf Focus.de selbst ein Bild. Ich verspreche: Das wird nicht lange dauern. 

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Schließlich noch zu einem mit Hass-Kommentaren verwandten Thema: Eltern-Kommentare. Karoline Meta Beisel hat für die SZ-Medienseite den Kinderkanal Kika besucht. Dort ist die Facebook-Gruppe #ichbinhier meines Wissens noch nicht aktiv. Aber das wäre in vielen Fällen auch nur schwer möglich. Ich zitiere mal aus dem Text, vielleicht sehen Sie es gleich selbst. 

"'Der Ton ist härter geworden', sagt Yvonne Leifheit, die in Erfurt die Zuschauerredaktion des Senders leitet, und auch hier ist wieder gemeint: der Ton der Eltern. Kinder äußerten sich viel seltener kritisch. Darum lassen sich die jährlich 67 000 Briefe, 25 000 E-Mails und 4000 Telefonanrufe dem Sender zufolge ganz grob in zwei Kategorien einteilen: Lob von den Kindern, Kritik von den Eltern. Oder genauer: Kritik von Erwachsenen - denn nicht selten beschweren sich Große, die selbst gar keine Kinder haben."

67 000 Menschen machen sich immer noch die Mühe, dem Sender einen Brief aus echtem Papier zu schreiben. Und das ist ja von allen hier genannten Möglichkeiten wirklich die umständlichste. Vielleicht sind das aber auch einfach nur die netten Leute. Und die anderen melden sich, wie auch anderswo üblich, übers Internet. 

"Auch (Redaktionsleiter Matthias) Huff stellt fest, dass sich der Kontakt zu den Eltern verändert hat. Er sagt: ‚Es prägt unsere Arbeit ganz unmittelbar, dass sich Leute im Netz sehr schnell zusammenschließen können.' Als der Kika 2014 eine Sendung ankündigte, in der ein elfjähriger muslimischer Junge bei seinen Vorbereitungen für die Beschneidung begleitet wurde, riefen unzählige Internetseiten, Vereine und andere Interessensgruppen zum Protest auf, teilweise mit vorgefertigten Schreiben."


Altpapierkorb

+++ Oliver Jungen ist sehr glücklich, dass die Serie "Mord in bester Gesellschaft" endlich eingestellt wird und bringt das auf der FAZ-Medienseite (für 45 Cent bei Blendle) sehr schön zum Ausdruck. "Daneben aber gibt es noch den Hobby-Detektiv Dr. Wendelin Winter, einen wandelnden Psychologenwitz mit der Aura einer durchgesessenen Couch, der seit dem Jahr 2007 so einfühlsam wie ein Nilpferd der Münchner Polizei in die Arbeit pfuscht und nun endlich das Pensionsalter erreicht hat." Benedikt Frank erklärt auf der SZ-Medienseite die Gründe für das Aus der Serie. "Die letzten Neuausstrahlungen sahen immer noch zwischen drei und vier Millionen Zuschauer. Warum aufhören? Schuld sei der veränderte Sendeplatz, heißt es bei der Degeto. Man konzentriere sich bei den Donnerstags-Krimis jetzt ‚auf Schauplätze im Ausland', sagt Redaktionsleiter Sascha Schwingel". Heute Abend kann sich das Trauerspiel noch einmal ansehen. 20.15 Uhr in der ARD. 

+++ Fox-Starmoderator Bill O'Reilly hat seinen Job verloren, berichtet unter anderem Meedia. Mehrere Frauen hatten ihm vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben. Insgesamt soll er 13 Millionen Euro Schweigegeld gezahlt haben. Donald Trump warf seine gesamte Glaubwürdigkeit in die Waagschale (wo sie noch immer gesucht wird) und sprang O'Reilly mit dem Satz bei: "Ich glaube nicht, dass er etwas Falsches getan hat." Auch O'Reilly selbst bestreitet die Vorwürfe. Am Ende half es alles nichts. 

+++ Die Mopo hat sich mit Til Schweiger über die Wasserpreise in Hamburg gestritten, musste dann aber eine Gegendarstellung drucken. Über die wird Schweiger sich allerdings nicht so richtig gefreut haben. Sie sieht nämlich so aus

+++ Bei Markus Lanz hat Til Schweiger sich dann in alter Gewohnheit mal wieder über Journalisten beschwert. Tenor: Die kritisieren immer nur, machen aber nichts besser. Dann ging es auch noch um seine eigene Kritik am Tatort-Vorspann, den er angeblich abschaffen wollte, was aber nicht stimmt, wie er selbst sagt. Hier die Passage aus dem Hamburger Abendblatt (beim Lesen bitte noch mal an Schweigers Journalisten-Kritik denken): "Zudem habe er nie gesagt, dass er den ‚Tatort'-Vorspann abschaffen wolle. Er fände ihn lediglich altmodisch, einen besseren habe er allerdings auch nicht parat."

+++ Stefan Raue soll Deutschland-Radio-Intendant werden, berichtet der Tagesspiegel.

+++ Der erst zwei Jahre alte digitale österreichische Bezahlangebot der Neuen Zürcher Zeitung, NZZ.at, geht Ende des Monats vom Netz, wie unter anderem FAZ.net schreibt. Warum? "'Mit viel Herzblut und einem engagierten Team haben wir als Erste in Österreich ein digitales Bezahlangebot lanciert', so Geschäftsführer Veit Dengler. ‚Wir haben das Produkt mehrmals weiterentwickelt, dennoch blieb es hinter unseren Erwartungen.'"

+++ Die Zeitungsverlage haben die Nase voll von den immer schlechter werdenden Auflagenzahlen. Und was könnte man da machen? Genau, man nörgelt an den Regularien herum. Hier zu lesen in einem kurzen Anriss bei Turi2, den ganzen kostenpflichtigen Artikel hat die Zeitschrift Horizont in ihrer aktuellen Ausgabe.

+++ In Israel wissen die Zeitungen sich da anders zu helfen. Peter Münch berichtet auf der SZ-Medienseite über eine ultra-orthodoxe Tageszeitung, die "mit orthodoxen Methoden" Anzeigenkunden akquiriert: "Der Polizei zufolge wurde eigens ein Callcenter eingerichtet, von dem aus die Chefs großer Unternehmen - unter anderem auch von Coca-Cola und einer Supermarktkette - mit Hunderten von Anrufen, Faxen und E-Mails unter Druck gesetzt wurden. Auch Familienmitglieder seien auf diese Art massiv belästigt worden.

+++ Google will seinen Browser Chrome mit einem eigenen Anzeigen-Blocker ausrüsten, schreibt das Wall Street Journal. Den Zeitungsverlegern wird das nicht gefallen. Warten wir ab, was sie unternehmen werden. Ich halte zwei Szenarien für möglich. Entweder sie schalten Eigen-Anzeigen. Oder sie drucken Anti-Google-T-Shirts

+++ Gabriel del Grande ist in der Türkei in Haft. Jetzt befindet er sich in einem Hungerstreik, wie in der taz zu lesen ist. "Um mit Flüchtlingen zu sprechen, war er in die Südosttürkei aufgebrochen. ‚Meine Verhaftung hängt mit dem Inhalt meiner Arbeit zusammen", erklärte er in seinem Telefonat vom Dienstag, ‚ich wurde immer wieder verhört.' Scharf geht Gabrieles Vater Massimo mit den italienischen Behörden ins Gericht: ‚Wozu dient eine Botschaft, wenn sie nicht in der Lage ist herauszufinden, wie die Dinge stehen?' Italiens Regierung verlangt von der Türkei jetzt die umgehende Freilassung Del Grandes."

+++ Paul-Josef Raue in seiner Kress-Kolumne über die Chronologie einer Recherche, die von Richtern verhindert wurde. Die Redaktion hatte erfahren, dass ein stadtbekannter Strafverteidiger wegen Kokain-Besitzes in Haft sitzt. "Tag 67: Dem Chefredakteur reicht es: Er entschließt sich zur Veröffentlichung. Ein letztes Mal wird die Staatsanwaltschaft angefragt, zudem bekommt der Anwalt Gelegenheit, sich zu erklären. Nun reagiert die Staatsanwaltschaft und verschickt um 16.02 Uhr eine Mitteilung an alle lokalen und überregionalen Medien, dass sie Anklage gegen einen Mannheimer Anwalt erhoben hat mit dem Vorwurf: Besitz von Kokain sowie Beihilfe zum Handel von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge."

Neues Altpapier gibt es am Freitag.